Wenn du in der Pflegeschule den Stundenplan bekommst, stehen darauf keine Fächer wie „Anatomie" oder „Krankheitslehre", sondern Kürzel wie CE 02 oder CE 05. CE steht für curriculare Einheit — die Lerneinheiten, in die der theoretische und praktische Unterricht der generalistischen Pflegeausbildung gegliedert ist. Diese Seite erklärt, was hinter den elf CEs steckt, wie viele Stunden auf sie entfallen und wie sie mit deinen Praxiseinsätzen zusammenhängen.

Woher kommen die curricularen Einheiten?

Das Pflegeberufegesetz hat in § 53 eine Fachkommission eingesetzt, die für die Ausbildung bundesweite Rahmenpläne erarbeitet hat: einen Rahmenlehrplan für den Unterricht an der Pflegeschule und einen Rahmenausbildungsplan für die praktische Ausbildung. Beide wurden 2019 veröffentlicht und werden vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) betreut (Rahmenpläne als PDF).

Der Rahmenlehrplan gliedert die 2.100 Unterrichtsstunden in elf curriculare Einheiten. Die Rahmenpläne haben empfehlende Wirkung: Die Bundesländer und Pflegeschulen erstellen auf ihrer Grundlage eigene Lehrpläne und Schulcurricula. Deshalb kann der Aufbau von Schule zu Schule etwas variieren — die elf CEs findest du aber fast überall wieder.

CE und Kompetenzbereiche: Was ist der Unterschied?

Beides wird gern verwechselt:

  • Die 5 Kompetenzbereiche stehen in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (PflAPrV). Sie beschreiben, was du am Ende können musst — und sind die Grundlage der Prüfung.
  • Die 11 curricularen Einheiten stehen im Rahmenlehrplan. Sie beschreiben, wie der Unterricht aufgebaut ist, damit du diese Kompetenzen erwirbst.

Jede CE bündelt Kompetenzen aus mehreren Kompetenzbereichen und verknüpft sie mit typischen Pflegesituationen. Anders als klassische Schulfächer folgen die CEs dem Prinzip der Situationsorientierung: Nicht „erst Anatomie, dann Krankheitslehre, dann Pflege", sondern alles gemeinsam anhand realer Pflegesituationen — wie später im Beruf.

Übersicht: Die 11 CEs mit Stundenzahlen

Die Stundenzahlen sind Zeitrichtwerte des Rahmenlehrplans für die generalistische Ausbildung. Die ersten beiden Ausbildungsdrittel sind für alle gleich; im dritten Drittel gelten die Werte der generalistischen Ausbildung zur Pflegefachfrau / zum Pflegefachmann.

CETitel1./2. Drittel3. DrittelGesamt
01Ausbildungsstart – Pflegefachfrau/Pflegefachmann werden7070
02Zu pflegende Menschen in der Bewegung und Selbstversorgung unterstützen180180
03Erste Pflegeerfahrungen reflektieren – verständigungsorientiert kommunizieren8080
04Gesundheit fördern und präventiv handeln8080160
05Menschen in kurativen Prozessen pflegerisch unterstützen und Patientensicherheit stärken200140340
06In Akutsituationen sicher handeln6060120
07Rehabilitatives Pflegehandeln im interprofessionellen Team8080160
08Menschen in kritischen Lebenssituationen und in der letzten Lebensphase begleiten16090250
09Menschen bei der Lebensgestaltung lebensweltorientiert unterstützen15050200
10Entwicklung und Gesundheit in Kindheit und Jugend in pflegerischen Situationen fördern12060180
11Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und kognitiven Beeinträchtigungen personenzentriert und lebensweltbezogen unterstützen8080160
Summe1.2606401.900

Die Zeitrichtwerte ergeben zusammen 1.900 Stunden. Die übrigen 200 der insgesamt 2.100 Unterrichtsstunden verteilen die Pflegeschulen in ihren Schulcurricula selbst — etwa für Prüfungsvorbereitung, schulische Schwerpunkte oder Vertiefungen.

Die CE 01 bis 03 finden ausschließlich im ersten Ausbildungsdrittel statt — sie bilden den Einstieg. Die CE 04 bis 11 ziehen sich über die gesamte Ausbildung und werden im dritten Drittel vertieft. Die größte Einheit ist CE 05 mit 340 Stunden: die Pflege in Krankenhaus und Behandlungsprozessen.

Die curricularen Einheiten im Einzelnen

CE 01: Ausbildungsstart – Pflegefachfrau/Pflegefachmann werden

70 Stunden · 1. Ausbildungsdrittel

Die erste Einheit ist das Ankommen in der Ausbildung. Du klärst deine Rolle als Auszubildende oder Auszubildender, lernst die Aufgaben und Handlungsfelder der professionellen Pflege kennen und überprüfst deinen Berufswunsch. Themen sind unter anderem der Pflegeprozess als Arbeitsmethode, erste gesetzliche Grundlagen und Dienstvorschriften, die Kontaktaufnahme mit zu pflegenden Menschen und die eigene Gesunderhaltung im Beruf. CE 01 bereitet direkt auf den Orientierungseinsatz vor.

CE 02: Zu pflegende Menschen in der Bewegung und Selbstversorgung unterstützen

180 Stunden · 1. Ausbildungsdrittel

Die größte Einheit des ersten Jahres — und das Fundament der Grundpflege. Sie ist in zwei Schwerpunkte gegliedert: 02 A – Mobilität interaktiv, gesundheitsfördernd und präventiv gestalten (Bewegungsförderung, rückenschonendes Arbeiten, Sturzprophylaxe, Lagerung) und 02 B – Menschen in der Selbstversorgung unterstützen (Körperpflege, Ernährung, Ausscheidung, Kleiden). Dazu kommen Anatomie und Physiologie des Bewegungsapparats, Haut und Verdauung, Hygiene und die Beobachtung von Vitalzeichen. CE 02 läuft parallel zum Orientierungseinsatz.

CE 03: Erste Pflegeerfahrungen reflektieren – verständigungsorientiert kommunizieren

80 Stunden · 1. Ausbildungsdrittel

Nach dem Orientierungseinsatz steht die Reflexion des Erlebten im Mittelpunkt: Wie war die Praxis im Vergleich zur Vorstellung? Wie gehe ich mit Nähe, Scham, Ekel und Überforderung um? Die Einheit vermittelt Grundlagen der Kommunikation und Gesprächsführung — mit zu pflegenden Menschen aller Altersgruppen, ihren Angehörigen und im Team — und schult die Wahrnehmung unterschiedlicher Perspektiven.

CE 04: Gesundheit fördern und präventiv handeln

160 Stunden · 1./2. Drittel: 80 · 3. Drittel: 80

Gesundheitsförderung und Prävention auf drei Ebenen: gesellschaftliche Herausforderungen wie Bewegungsmangel und gesundheitliche Ungleichheit (Makroebene), die Bedingungen in Einrichtungen und Teams (Mesoebene) und das persönliche Gesundheitsverhalten von zu pflegenden Menschen, Angehörigen — und von dir selbst (Mikroebene). Im ersten Abschnitt reflektierst du dein eigenes Gesundheitsverständnis; im dritten Drittel geht es um Beratung, Schulung und Präventionsangebote für verschiedene Zielgruppen.

CE 05: Menschen in kurativen Prozessen pflegerisch unterstützen und Patientensicherheit stärken

340 Stunden · 1./2. Drittel: 200 · 3. Drittel: 140

Die umfangreichste CE — hier steckt das meiste medizinische Fachwissen. In den ersten beiden Dritteln liegt der Fokus auf den wichtigsten Pflegediagnosen und Handlungsmustern in Chirurgie und Innerer Medizin: prä- und postoperative Pflege, Wundversorgung, Infusionen, Medikamentenmanagement, Krankheitsbilder wie Diabetes, Herzinsuffizienz, COPD, Schlaganfall. Im dritten Drittel weitet sich der Blick auf die sektorenübergreifende Organisation komplexer Versorgungsprozesse und die Zusammenarbeit mit Ärzt:innen. CE 05 gehört zum Pflichteinsatz stationäre Akutpflege.

CE 06: In Akutsituationen sicher handeln

120 Stunden · 1./2. Drittel: 60 · 3. Drittel: 60

Notfälle und Gefahrensituationen: Menschen, die akut vital gefährdet sind (Herz-Kreislauf-Stillstand, Atemnot, Blutung, Schock), Gefährdungen aus der Umwelt (Brand, Gewalt) und die Hilfeleistungspflicht außerhalb des Berufs. Die Einheit trainiert die schnelle Situationseinschätzung, Sofortmaßnahmen und Reanimation — und thematisiert, wie man selbst handlungsfähig bleibt und belastende Ereignisse verarbeitet.

CE 07: Rehabilitatives Pflegehandeln im interprofessionellen Team

160 Stunden · 1./2. Drittel: 80 · 3. Drittel: 80

Rehabilitative Pflege zielt auf selbstständige Lebensführung und soziale Teilhabe — bei chronischen Erkrankungen, Behinderungen und nach Unfällen. Du lernst die Rolle der Pflege im interprofessionellen Team mit Physio-, Ergotherapie, Logopädie und Sozialdienst, Konzepte wie Bobath oder Kinästhetik, die Anleitung von Angehörigen und rechtliche Grundlagen wie das Bundesteilhabegesetz. CE 07 ist eng mit dem Vertiefungseinsatz und dem weiteren Einsatz (z. B. Reha-Einrichtung) verbunden.

CE 08: Menschen in kritischen Lebenssituationen und in der letzten Lebensphase begleiten

250 Stunden · 1./2. Drittel: 160 · 3. Drittel: 90

Die zweitgrößte CE widmet sich der Begleitung bei chronischen, onkologischen und lebenslimitierenden Erkrankungen sowie der Pflege sterbender Menschen — nach dem Ansatz der Palliative Care. Themen sind Schmerzmanagement, Symptomlinderung, Kommunikation über Sterben und Tod, Trauerbegleitung, Ethik am Lebensende und der Umgang mit der eigenen Betroffenheit. Im dritten Drittel kommen komplexe Situationen und die Hospiz- und Palliativversorgung als Versorgungsstruktur hinzu.

CE 09: Menschen bei der Lebensgestaltung lebensweltorientiert unterstützen

200 Stunden · 1./2. Drittel: 150 · 3. Drittel: 50

Hier geht es um Menschen, deren Lebenswelt durch Pflegebedürftigkeit, Umzug ins Heim oder veränderte Familiensituationen ins Wanken gerät — überwiegend alte Menschen und ihre Angehörigen. Inhalte sind Biografiearbeit, Alltagsgestaltung und Tagesstruktur, Wohnformen, die Unterstützung pflegender Angehöriger, sozialrechtliche Grundlagen (Pflegeversicherung, Pflegegrade) und Beratung. CE 09 korrespondiert mit den Pflichteinsätzen in der stationären Langzeitpflege und der ambulanten Pflege.

CE 10: Entwicklung und Gesundheit in Kindheit und Jugend in pflegerischen Situationen fördern

180 Stunden · 1./2. Drittel: 120 · 3. Drittel: 60

Die Pflege von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen und ihren Familien: kindliche Entwicklung, entwicklungsfördernde Pflege, typische Erkrankungen im Kindesalter, die Einbeziehung der Eltern und die Besonderheiten pädiatrischer Einrichtungen. CE 10 bereitet den Pflichteinsatz in der pädiatrischen Versorgung vor oder arbeitet ihn nach.

CE 11: Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und kognitiven Beeinträchtigungen personenzentriert und lebensweltbezogen unterstützen

160 Stunden · 1./2. Drittel: 80 · 3. Drittel: 80

Psychische Erkrankungen wie Depression, Angststörungen und Sucht sowie kognitive Beeinträchtigungen — vor allem Demenz — begegnen dir in allen Settings, nicht nur in der Psychiatrie. Die Einheit vermittelt personenzentrierte Ansätze, Kommunikation und Beziehungsgestaltung, den Umgang mit herausforderndem Verhalten, Deeskalation, rechtliche Aspekte wie Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen sowie die kritische Reflexion von Stigmatisierung. CE 11 bereitet auf den Pflichteinsatz in der psychiatrischen Versorgung vor.

Besonderheit im dritten Ausbildungsdrittel

Der Rahmenlehrplan enthält für das dritte Drittel zusätzlich angepasste Varianten der CEs für die gesonderten Abschlüsse Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger:in und Altenpfleger:in, die Auszubildende mit entsprechendem Vertiefungseinsatz im dritten Ausbildungsjahr wählen können (§ 59 PflBG): Die CE 04 bis 08 und 11 sind dort auf Kinder und Jugendliche bzw. auf alte Menschen zugeschnitten; bei der Kinderkrankenpflege entfällt CE 09 zugunsten einer erweiterten CE 10, bei der Altenpflege umgekehrt. Für den generalistischen Abschluss – den über 99 Prozent der Auszubildenden wählen – gilt die Stundentabelle oben; ob das Wahlrecht bestehen bleibt, entscheidet der Gesetzgeber nach der Überprüfung gemäß § 62 PflBG. Mehr dazu auf der Seite Generalistische Pflegeausbildung.

Wie du mit den CEs lernst

  • Situationen statt Fächer: Ordne dein Wissen nach Pflegesituationen, nicht nach Fachgebieten. Die Frage in Prüfung und Praxis lautet nie „Was wissen Sie über das Herz?", sondern „Wie pflegen Sie Herrn Weber mit Herzinsuffizienz?"
  • CE und Praxiseinsatz verknüpfen: Bereite jeden Einsatz vor, indem du die zugehörige CE wiederholst — CE 09 vor dem Pflegeheim, CE 10 vor der Kinderklinik, CE 11 vor der Psychiatrie.
  • Auf die Kompetenzbereiche zurückführen: Für die Prüfung zählen die Kompetenzbereiche. Notiere dir bei jeder CE, welche Kompetenzbereiche darin geübt werden.
  • Den Pflegeprozess als roten Faden nutzen: Er zieht sich durch alle elf Einheiten — wie er funktioniert, erklärt die Seite Der Pflegeprozess.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet CE in der Pflegeausbildung?

CE steht für curriculare Einheit — eine Lerneinheit des Rahmenlehrplans der Fachkommission nach § 53 PflBG. Der Unterricht der generalistischen Pflegeausbildung ist in elf curriculare Einheiten (CE 01 bis CE 11) gegliedert, die sich an typischen Pflegesituationen orientieren statt an klassischen Fächern.

Wie viele Stunden hat jede curriculare Einheit?

Zwischen 70 (CE 01) und 340 Stunden (CE 05). Die Zeitrichtwerte des Rahmenlehrplans summieren sich auf 1.900 Stunden; die übrigen 200 der 2.100 Unterrichtsstunden verteilen die Pflegeschulen selbst. Die genaue Verteilung steht in der Tabelle oben.

Sind die curricularen Einheiten in allen Bundesländern gleich?

Der Rahmenlehrplan hat empfehlende Wirkung. Die meisten Bundesländer und Pflegeschulen übernehmen die elf CEs, passen aber Reihenfolge, Stundenverteilung und Inhalte in ihren Lehrplänen und Schulcurricula an. Die Bezeichnungen und der Grundaufbau sind daher fast überall gleich, Details können sich unterscheiden.

Was ist der Unterschied zwischen curricularen Einheiten und Kompetenzbereichen?

Die fünf Kompetenzbereiche (PflAPrV) beschreiben die Prüfungsanforderungen — was du am Ende können musst. Die elf curricularen Einheiten (Rahmenlehrplan) beschreiben den Aufbau des Unterrichts — wie du diese Kompetenzen erwirbst. Jede CE trainiert Kompetenzen aus mehreren Kompetenzbereichen.

Welche CE gehört zu welchem Praxiseinsatz?

CE 01–03 zum Orientierungseinsatz, CE 05 zur stationären Akutpflege, CE 09 zur stationären Langzeitpflege und ambulanten Pflege, CE 10 zur pädiatrischen Versorgung, CE 11 zur psychiatrischen Versorgung, CE 07 zu Rehabilitation und weiterem Einsatz. CE 04, 06 und 08 sind settingübergreifend und begleiten alle Einsätze.

Quellen