Eine der häufigsten Fragen vor Ausbildungsbeginn lautet: Was verdiene ich eigentlich in der Pflegeausbildung? Die gute Nachricht vorweg — die Pflegeausbildung gehört zu den bestbezahlten Ausbildungsberufen in Deutschland. Seit dem Pflegeberufegesetz 2020 ist zudem festgelegt, dass die Ausbildung schulgeldfrei ist und du eine angemessene Ausbildungsvergütung erhältst. In diesem Artikel findest du alle Informationen zu Gehalt, Zuschlägen, Nettolohn und deinen finanziellen Perspektiven nach der Ausbildung.

Junger Mann zeigt einen 100-Euro-Schein — Ausbildungsgehalt in der Pflege
Die Pflegeausbildung gehört zu den bestbezahlten Ausbildungsberufen

Ausbildungsgehälter im Überblick

Das Gehalt in der Pflegeausbildung richtet sich nach dem Träger deiner Ausbildung und dem dort geltenden Tarifvertrag. Die drei gängigsten Trägerarten sind öffentliche Einrichtungen (z. B. kommunale Krankenhäuser), kirchliche Träger (z. B. Diakonie, Caritas) und private Einrichtungen.

1.191 €1. Jahr (TVöD)
1.252 €2. Jahr (TVöD)
1.353 €3. Jahr (TVöD)
AusbildungsjahrÖffentlicher Dienst (TVöD-P)Kirchliche Träger (AVR)Private Träger
1. Ausbildungsjahr1.190,69 EUR1.140,69 EUR1.165,69 EUR
2. Ausbildungsjahr1.252,07 EUR1.202,07 EUR1.232,07 EUR
3. Ausbildungsjahr1.353,38 EUR1.303,38 EUR1.328,38 EUR

Wichtig: Diese Beträge sind Bruttogehälter! Von diesen Summen werden noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Was am Ende auf deinem Konto landet, ist der Nettobetrag — mehr dazu weiter unten.

Warum variiert das Gehalt je nach Träger?

  • Öffentlicher Dienst (TVöD-P): Kommunale Krankenhäuser und öffentliche Pflegeeinrichtungen zahlen nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD-P Pflege). Dieser Tarif bietet in der Regel die höchsten Ausbildungsgehälter und wird regelmäßig verhandelt.
  • Kirchliche Träger (AVR): Die Diakonie und die Caritas haben eigene Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR), die sich am TVöD orientieren, aber leicht davon abweichen können — oft etwas niedriger, dafür mit anderen Zusatzleistungen (z. B. kirchliche Zusatzversorgung).
  • Private Träger: Private Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser können die Vergütung freier gestalten. Einige private Träger zahlen vergleichbar mit dem öffentlichen Dienst, andere liegen leicht darunter. Es lohnt sich, bei der Bewerbung nachzufragen.

Brutto vs. Netto: Was bleibt wirklich übrig?

Was ist der Unterschied?

  • Bruttolohn = dein Gehalt vor Abzügen. Das ist der Betrag, der im Ausbildungsvertrag steht.
  • Nettolohn = dein Gehalt nach Abzügen. Das ist der Betrag, der tatsächlich auf deinem Konto landet.

Welche Abzüge gibt es?

Vom Bruttolohn werden folgende Beiträge abgezogen:

AbzugAnteil (Arbeitnehmer)Beispiel bei 1.252 EUR brutto
Krankenversicherungca. 7,3 % + Zusatzbeitragca. 98 EUR
Pflegeversicherungca. 1,7 % (kinderlos: 2,3 %)ca. 21–29 EUR
Rentenversicherung9,3 %ca. 116 EUR
Arbeitslosenversicherung1,3 %ca. 16 EUR
Lohnsteuerabhängig von Steuerklasseca. 0–30 EUR
Kirchensteuer (falls zutreffend)8–9 % der Lohnsteuerca. 0–3 EUR

Detaillierte Beispielrechnung

Auszubildende im 2. Ausbildungsjahr, privater Träger, Steuerklasse I, keine Kirchensteuer, kinderlos, 23 Jahre:

PositionBetrag
Bruttogehalt1.232,07 EUR
− Krankenversicherung (7,3 % + 1,3 % Zusatzbeitrag)− 106,0 EUR
− Pflegeversicherung (2,3 % kinderlos)− 28,3 EUR
− Rentenversicherung (9,3 %)− 114,6 EUR
− Arbeitslosenversicherung (1,3 %)− 16,0 EUR
− Lohnsteuer (Steuerklasse I)− ca. 10,0 EUR
≈ Nettogehalt≈ 957 EUR

Tipp: Der genaue Nettobetrag hängt von deiner individuellen Situation ab (Steuerklasse, Kirchensteuer, Krankenkasse, Bundesland). Mit einem Brutto-Netto-Rechner im Internet kannst du dein persönliches Nettogehalt berechnen.

Nettogehalt-Übersicht (Richtwerte)

Grob gerechnet bleibt dir als Azubi in der Pflege etwa 75–80 % deines Bruttogehalts als Nettolohn. Hier die ungefähren Nettobeträge:

AusbildungsjahrBrutto (Ø)Netto (ca.)
1. Jahrca. 1.165 EURca. 900–930 EUR
2. Jahrca. 1.230 EURca. 950–980 EUR
3. Jahrca. 1.330 EURca. 1.020–1.060 EUR

Zuschläge: So verdienst du mehr

Zusätzlich zu deinem regulären Ausbildungsgehalt erhältst du Zuschläge für Arbeit zu besonderen Zeiten. Diese Zuschläge sind je nach Tarifvertrag unterschiedlich hoch, aber fast überall vorgesehen:

Nachtzuschlag

+15–25 %

Für Arbeit zwischen 21:00 und 6:00 Uhr. Bei 8h Nachtdienst ca. 12 € mehr als im Tagdienst.

Wochenendzuschlag

+25 % (So)

Samstags ca. 0,64 €/h extra, sonntags 25 % Zuschlag — und der ist steuerfrei!

Feiertagszuschlag

+35–135 %

Die höchsten Zuschläge gibt es an Weihnachten und Neujahr — ebenfalls steuerfrei.

Was bringen die Zuschläge konkret?

Je nachdem, wie viele Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste du im Monat hast, können die Zuschläge dein Gehalt um 50 bis 150 EUR monatlich erhöhen. Das ist gerade für Azubis ein spürbarer Unterschied.

+50–150 € So viel können die Zuschläge dein monatliches Gehalt erhöhen — ein spürbarer Unterschied als Azubi.

Gehalt nach der Ausbildung

Nach dem erfolgreichen Abschluss deiner Ausbildung steigt dein Gehalt deutlich an. Als examinierte Pflegefachfrau oder Pflegefachmann verdienst du je nach Träger, Region und Tarifvertrag:

BerufserfahrungÖffentlicher Dienst (TVöD-P)Kirchliche TrägerPrivate Träger
Berufseinsteigerca. 3.100–3.400 EUR bruttoca. 3.000–3.300 EUR bruttoca. 2.800–3.200 EUR brutto
3–5 Jahre Erfahrungca. 3.400–3.700 EUR bruttoca. 3.300–3.600 EUR bruttoca. 3.100–3.500 EUR brutto
10+ Jahre Erfahrungca. 3.800–4.200 EUR bruttoca. 3.600–4.000 EUR bruttoca. 3.400–3.900 EUR brutto

Gut zu wissen: Im öffentlichen Dienst steigt dein Gehalt automatisch mit der Berufserfahrung (sogenannte Stufensteigerungen). Du musst also nicht jedes Mal verhandeln — das Gehalt entwickelt sich nach einem festen Schema nach oben.

Gehalt mit Fachweiterbildung

Wenn du nach der Ausbildung eine Fachweiterbildung absolvierst (z. B. Intensivpflege, Anästhesie, OP-Pflege, Palliativpflege), wirst du in der Regel in eine höhere Gehaltsgruppe eingestuft. Je nach Weiterbildung und Träger sind damit 300–600 EUR mehr brutto pro Monat möglich.

Gehalt mit Leitungsposition

Als Stationsleitung oder Pflegedienstleitung steigt dein Gehalt noch einmal deutlich. Stationsleitungen im öffentlichen Dienst verdienen in der Regel zwischen 4.000 und 4.800 EUR brutto, Pflegedienstleitungen können 5.000 EUR brutto und mehr erreichen.

Gehalt mit Pflegestudium

Ein akademischer Abschluss in der Pflege (Bachelor, Master) eröffnet zusätzliche Gehaltsoptionen. Pflegewissenschaftler, Pflegepädagogen oder Pflegemanager können mit einem Masterabschluss Gehälter von 4.500 bis 6.000 EUR brutto und mehr erzielen — je nach Position und Arbeitgeber.

Gehaltsentwicklung: So steigt dein Einkommen über die Jahre

Hier ein realistischer Überblick über die Gehaltsentwicklung in der Pflege:

KarrierestufeBruttogehalt (Ø)Zeitraum
Ausbildung (1. Jahr)ca. 1.190 EURJahr 1
Ausbildung (3. Jahr)ca. 1.350 EURJahr 3
Berufseinsteigerca. 3.200 EURJahr 4
Mit Berufserfahrungca. 3.600 EURJahr 7–8
Mit Fachweiterbildungca. 4.000 EURJahr 8–10
Stationsleitungca. 4.400 EURJahr 10+
Pflegedienstleitungca. 5.200 EURJahr 15+
Stolz auf deinen Beruf?T-Shirts, Hoodies & mehr für Pflegekräfte
Zum Shop →

Vergleich mit anderen Ausbildungsberufen

Um das Ausbildungsgehalt in der Pflege besser einordnen zu können, hier ein Vergleich mit anderen beliebten Ausbildungsberufen (Durchschnittswerte 1. Ausbildungsjahr):

AusbildungsberufGehalt 1. Jahr (brutto)
Pflegefachfrau/-mannca. 1.190 EUR
Medizinische/r Fachangestellte/rca. 920 EUR
Zahnmedizinische/r Fachangestellte/rca. 870 EUR
Kauffrau/-mann für Büromanagementca. 940 EUR
Friseur/inca. 620 EUR
Industriemechaniker/inca. 1.050 EUR
Bankkauffrau/-mannca. 1.160 EUR
Fachinformatiker/inca. 1.070 EUR
Erzieher/in (schulisch)ca. 0 EUR (oft unvergütet!)

Wie du siehst, liegt das Pflegeausbildungsgehalt deutlich über dem Durchschnitt der meisten Ausbildungsberufe. Besonders im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen (MFA, ZFA) fällt die Vergütung sehr gut aus.

Zusätzliche finanzielle Vorteile in der Pflegeausbildung

Neben dem regulären Gehalt gibt es weitere finanzielle Aspekte, die du kennen solltest:

  • Jahressonderzahlung (Weihnachtsgeld): Im öffentlichen Dienst und bei kirchlichen Trägern erhältst du in der Regel eine Jahressonderzahlung von ca. 70–90 % eines Monatsgehalts.
  • Vermögenswirksame Leistungen: Viele Arbeitgeber zahlen einen kleinen monatlichen Betrag (ca. 6–40 EUR) als vermögenswirksame Leistung, die du z. B. in einen Bausparvertrag einzahlen kannst.
  • Betriebliche Altersvorsorge: Im öffentlichen Dienst und bei kirchlichen Trägern wirst du automatisch in die betriebliche Altersvorsorge aufgenommen.
  • Kostenloses oder vergünstigtes Essen: Manche Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bieten vergünstigte Mahlzeiten in der Kantine.
  • Jobticket oder Fahrtkostenzuschuss: Einige Arbeitgeber bezuschussen die Fahrtkosten oder bieten ein vergünstigtes Jobticket für den ÖPNV.

Tipps zum Geld sparen als Azubi in der Pflege

Auch wenn das Pflegeausbildungsgehalt vergleichsweise gut ist — als Azubi muss man trotzdem aufs Geld achten. Hier einige praktische Tipps:

1. Wohnkosten senken

  • Prüfe, ob dein Ausbildungsträger ein Wohnheim oder günstige Wohnungen anbietet — manche Krankenhäuser haben eigene Personalwohnungen zu reduzierten Mieten.
  • Ziehe eine WG in Betracht — das spart Miete und ist gleichzeitig eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen.
  • Wenn du bei deinen Eltern wohnst: Nutze den Vorteil, solange es geht.

2. BAföG und Wohngeld prüfen

  • Unter bestimmten Voraussetzungen hast du als Pflege-Azubi Anspruch auf BAföG (Berufsausbildungsbeihilfe) — vor allem, wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst und das Einkommen deiner Eltern unter bestimmten Grenzen liegt.
  • Auch Wohngeld kann in Frage kommen, wenn du keinen BAföG-Anspruch hast.

3. Vergünstigungen nutzen

  • Mit deinem Ausbildungsausweis bekommst du oft Rabatte bei Kinos, Museen, Fitnessstudios und im ÖPNV.
  • Viele Anbieter haben spezielle Azubi-Tarife für Handy, Internet oder Zeitungen.
  • Nutze kostenlose Angebote deiner Pflegeschule (z. B. Bibliothek, Lernmaterialien, Beratungsstellen).

4. Haushaltsbuch führen

Klingt altmodisch, wirkt aber: Wer seine Einnahmen und Ausgaben aufschreibt, gibt nachweislich weniger unnötig aus. Es gibt dafür auch gute Apps wie MoneyControl, Finanzblick oder Haushaltsbuch.

5. Zuschläge clever nutzen

Die steuerfreien Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge sind netto mehr wert als das gleiche Geld in der regulären Arbeitszeit. Wenn du die Wahl hast, sind Schichten zu diesen Zeiten finanziell attraktiver.

Gehaltsrechner: Was bleibt netto übrig?

Berechne hier, wie viel von deinem Ausbildungsgehalt netto übrig bleibt. Wähle dein Ausbildungsjahr und deinen Träger — der Rechner zeigt dir die geschätzten Abzüge.

Hinweis: Die Berechnung ist eine Schätzung und kann von deinem tatsächlichen Nettolohn abweichen. Die genauen Abzüge hängen u.a. von der Krankenkasse, dem Bundesland und deiner persönlichen Situation ab.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Bekomme ich in der Pflegeausbildung wirklich von Anfang an Gehalt?

Ja! Ab dem ersten Tag deiner Ausbildung erhältst du ein Ausbildungsgehalt. Schulgeld musst du nicht zahlen — das ist seit dem Pflegeberufegesetz 2020 verboten.

Muss ich mein Ausbildungsgehalt versteuern?

Grundsätzlich ja, allerdings ist die Lohnsteuer bei Ausbildungsgehältern in dieser Höhe sehr gering oder entfällt ganz (in Steuerklasse I). Die größeren Abzüge sind die Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung).

Kann ich neben der Pflegeausbildung jobben?

Ja, das ist grundsätzlich möglich, aber du brauchst die Zustimmung deines Ausbildungsträgers. Bedenke, dass die Pflegeausbildung zeitlich sehr anspruchsvoll ist — zwischen Theorieblöcken, Praxiseinsätzen und Schichtdienst bleibt oft nicht viel Zeit für einen Nebenjob. Im Zweifel ist es sinnvoller, sich auf die Ausbildung zu konzentrieren.

Verdiene ich in Westdeutschland mehr als in Ostdeutschland?

Historisch gab es einen Gehaltsunterschied zwischen Ost und West, der aber in den letzten Jahren deutlich kleiner geworden ist. Im öffentlichen Dienst (TVöD) gelten mittlerweile bundesweit einheitliche Tarife. Bei privaten Trägern kann es noch regionale Unterschiede geben.

Was verdient man als Pflegefachkraft nach 10 Jahren?

Nach 10 Jahren Berufserfahrung und mit einer Fachweiterbildung kannst du im öffentlichen Dienst mit ca. 3.800–4.200 EUR brutto rechnen. Mit Leitungsfunktion oder Studienabschluss sind auch deutlich höhere Gehälter möglich.

Steigt das Gehalt automatisch oder muss ich verhandeln?

Das kommt auf deinen Arbeitgeber an. Im öffentlichen Dienst und bei kirchlichen Trägern steigt dein Gehalt automatisch nach einem festgelegten Stufensystem — du rückst mit zunehmender Berufserfahrung in höhere Gehaltsstufen auf. Bei privaten Trägern ohne Tarifbindung musst du in der Regel selbst verhandeln.

Gibt es finanzielle Unterstützung für die Ausbildung?

Ja, neben dem Ausbildungsgehalt kannst du folgende Leistungen prüfen: Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), BAföG (für schulische Anteile), Wohngeld, Kindergeld (wird bis 25 Jahre gezahlt, solange du in Ausbildung bist) und ggf. Stipendien (z. B. das Deutschlandstipendium oder Stipendien von Stiftungen).