Eine Fachweiterbildung macht dich zur Spezialistin bzw. zum Spezialisten für einen Bereich der Pflege. Du bleibst nah am Patienten, übernimmst aber komplexere Aufgaben – und wirst dafür in vielen Häusern höher eingruppiert. Für viele Pflegefachkräfte ist sie der erste große Karriereschritt nach dem Examen.

Wie ist eine Fachweiterbildung aufgebaut?

Fachweiterbildungen sind entweder landesrechtlich geregelt (Weiterbildungsgesetze bzw. -verordnungen der Länder) oder folgen der Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Am Beispiel der Fachweiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege nach DKG-Empfehlung:

  • Dauer: zwei Jahre, berufsbegleitend
  • Theorie: 720 Stunden Unterricht in Modulen (Basismodul plus Fachmodule), teils als selbstgesteuertes Lernen
  • Praxis: mindestens 1.800 Stunden praktische Weiterbildung, aufgeteilt auf operative und konservative Intensivpflege sowie Anästhesie
  • Voraussetzung: Berufserlaubnis als Pflegefachkraft und in der Regel mindestens sechs Monate Berufserfahrung im Fachgebiet
  • Abschluss: Prüfung und die Weiterbildungsbezeichnung, z. B. „Fachpflegerin / Fachpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege"

Du arbeitest während der Weiterbildung normal weiter; für die Theorieblöcke wirst du freigestellt.

Die wichtigsten Fachweiterbildungen

BereichWas du machstTypischer Arbeitsplatz
Intensiv- und AnästhesiepflegeBeatmung, Überwachung, Notfallsituationen, NarkosebegleitungIntensivstation, Anästhesie, IMC
Pädiatrische Intensiv- und AnästhesiepflegeIntensivpflege von Früh- und Neugeborenen, KindernNeonatologie, Kinderintensivstation
NotfallpflegeErsteinschätzung (Triage), Versorgung in der AkutsituationZentrale Notaufnahme
Perioperative Pflege / OP-DienstInstrumentieren, Vor- und Nachbereitung von OperationenOP-Abteilung
Pflege in der OnkologieChemotherapie, Symptommanagement, BeratungOnkologische Stationen, Tageskliniken
Psychiatrische PflegeBeziehungsarbeit, Krisenintervention, DeeskalationPsychiatrie, Gerontopsychiatrie
Hygiene und InfektionspräventionHygienepläne, Ausbruchsmanagement, SchulungenHygienefachkraft im Krankenhaus

Daneben gibt es kürzere Zusatzqualifikationen, die keine zweijährige Fachweiterbildung sind, aber im Alltag viel bringen – etwa Palliative Care (Basiskurs mit 160 Stunden), Wundexpertin / Wundexperte, Praxisanleitung (300 Stunden, siehe Praxisanleitung) oder Kurse zu Demenz, Schmerzmanagement und Diabetes.

Was verdienst du mit Fachweiterbildung?

Im öffentlichen Dienst (TVöD-P) wirst du als Fachpflegekraft mit entsprechender Tätigkeit meist in P 8 oder P 9 eingruppiert – je nach Stufe etwa 200–500 € brutto mehr pro Monat als in P 7. Dazu kommen auf Intensivstationen und in der Notaufnahme oft Zulagen und mehr Nacht- und Wochenendzuschläge. Die aktuellen Tabellenwerte findest du unter Gehalt mit Fachweiterbildung.

Gut zu wissen: Entscheidend für die Eingruppierung ist nicht nur das Zertifikat, sondern die Tätigkeit, die du tatsächlich ausübst. Wer nach der Weiterbildung wieder auf eine Normalstation wechselt, wird nicht automatisch höher bezahlt.

Kosten und Finanzierung

Eine zweijährige Fachweiterbildung kostet je nach Anbieter mehrere Tausend Euro. In der Praxis übernehmen das meist die Arbeitgeber – gerade Kliniken mit Personalmangel auf Intensiv und im OP werben aktiv mit bezahlter Weiterbildung. Üblich sind dafür Rückzahlungs- bzw. Bindungsklauseln über ein bis drei Jahre.

Zahlt der Arbeitgeber nicht, kann Aufstiegs-BAföG helfen, sofern die Weiterbildung landesrechtlich geregelt ist und mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst.

Wie finde ich die richtige Fachweiterbildung?

  1. Rotiere bewusst: Nutze deine ersten Berufsjahre (oder schon die Einsätze in der Ausbildung), um verschiedene Bereiche kennenzulernen.
  2. Frag nach dem Weiterbildungsplan: Schon im Vorstellungsgespräch kannst du fragen, ob und wann Fachweiterbildungen angeboten werden und wie viele Plätze es gibt.
  3. Kläre die Rahmenbedingungen: Freistellung für die Theorie, Kostenübernahme, Bindungsklausel, Eingruppierung danach.
  4. Wechsel ist erlaubt: Bietet dein Haus die gewünschte Weiterbildung nicht an, ist ein Arbeitgeberwechsel oft der schnellste Weg.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich direkt nach dem Examen mit einer Fachweiterbildung anfangen?

Meist nicht sofort. Die DKG-Empfehlung und viele Landesregelungen setzen etwa sechs Monate Berufserfahrung im jeweiligen Fachgebiet voraus. Wer direkt auf einer Intensivstation anfängt, kann also oft schon im ersten Berufsjahr starten.

Ist die Fachweiterbildung bundesweit anerkannt?

Landesrechtlich geregelte Weiterbildungen und Weiterbildungen nach DKG-Empfehlung werden von Kliniken bundesweit akzeptiert. Wenn du später in ein anderes Bundesland ziehst, lohnt sich trotzdem ein kurzer Blick in die dortige Weiterbildungsverordnung.

Kann ich eine Fachweiterbildung in Teilzeit machen?

Ja, viele Anbieter ermöglichen das. Die Weiterbildung dauert dann entsprechend länger, weil die Praxisstunden erst erreicht werden müssen.

Was ist der Unterschied zwischen Fort- und Weiterbildung?

Eine Fortbildung frischt Wissen auf oder vertieft es (z. B. ein Tagesseminar zu Reanimation). Eine Weiterbildung führt zu einer neuen Qualifikation mit Abschluss und Weiterbildungsbezeichnung – wie die Fachweiterbildung Intensivpflege.

Quellen

  • Deutsche Krankenhausgesellschaft: DKG-Empfehlung zur pflegerischen Fachweiterbildung (Fassung 2023); Kursausschreibungen nach DKG-Empfehlung (720 Std. Theorie, mind. 1.800 Std. Praxis, 6 Monate Berufserfahrung)
  • TVöD-P Entgelttabelle (ab 1. Mai 2026), siehe Gehalt in der Pflege
  • Aufstiegs-BAföG (BMBF)
  • Stand: Oktober 2026