Expertenstandards begegnen dir in der Pflegeausbildung ständig – im Unterricht, in der Praxis und in der Prüfung. Sie beschreiben, was gute Pflege bei einem bestimmten Thema nach aktuellem Wissensstand ausmacht, zum Beispiel bei der Vorbeugung eines Dekubitus oder beim Umgang mit Schmerzen. Auf dieser Seite findest du alle aktuellen Standards, ihren Aufbau und Tipps, wie du sie für Klausuren lernst.
Was ist ein Expertenstandard?
Ein Expertenstandard ist ein evidenzbasiertes Instrument zur Qualitätsentwicklung in der Pflege. Er wird vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) an der Hochschule Osnabrück entwickelt: Eine Expertenarbeitsgruppe aus Pflegepraxis und Pflegewissenschaft wertet die Fachliteratur aus, formuliert einen Entwurf, der auf einer Konsensus-Konferenz mit der Fachöffentlichkeit diskutiert wird, und erprobt ihn anschließend in Einrichtungen (modellhafte Implementierung). Standards werden regelmäßig aktualisiert.
Expertenstandards gelten für alle Pflegesettings – Krankenhaus, stationäre Langzeitpflege und ambulante Pflege – und richten sich in erster Linie an Pflegefachkräfte. Sie gelten als Maßstab für den allgemein anerkannten Stand pflegefachlicher Erkenntnisse: Wer davon abweicht, sollte das fachlich begründen und dokumentieren können.
📖 Lerntipp: Die Inhalte der Expertenstandards sind in die Kapitel der Standardlehrbücher eingearbeitet – zum Lernen musst du die Originalbroschüren nicht kaufen:
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Alle Expertenstandards des DNQP (Stand 2026)
| Expertenstandard | Aktuelle Fassung | Worum es geht |
|---|---|---|
| Dekubitusprophylaxe in der Pflege | 2. Aktualisierung 2017 | Risiko erkennen, Druck entlasten, Bewegung fördern |
| Entlassungsmanagement in der Pflege | 2. Aktualisierung 2019 | Übergang vom Krankenhaus nach Hause oder ins Heim planen |
| Schmerzmanagement in der Pflege | Aktualisierung 2020 | Schmerzen bei akuten und chronischen Schmerzen einschätzen und lindern |
| Sturzprophylaxe in der Pflege | 2. Aktualisierung 2022 | Sturzrisiken erkennen und Stürze sowie Sturzfolgen vermeiden |
| Kontinenzförderung in der Pflege | Aktualisierung 2024 | Kontinenz erhalten und fördern, Inkontinenz kompensieren |
| Pflege von Menschen mit chronischen Wunden | 2. Aktualisierung 2025 | Wundeinschätzung, Wundversorgung, Selbstmanagement |
| Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung | 1. Aktualisierung 2017 | Mangelernährung erkennen und vermeiden |
| Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz | 1. Aktualisierung 2026 | Person-zentrierte Beziehung zu Menschen mit Demenz |
| Förderung der Mundgesundheit in der Pflege | 2023 | Mundgesundheit einschätzen und Mundpflege unterstützen |
| Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege | 2024 | Hautschäden wie Hauttrockenheit, Hautrisse oder Intertrigo vorbeugen |
Quelle: Veröffentlichungsübersicht des DNQP, Stand September 2026.
Und der Expertenstandard Mobilität? Der Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege" wurde für die Langzeitpflege nach dem früheren § 113a SGB XI im Auftrag der Selbstverwaltung entwickelt und steht deshalb nicht in der regulären DNQP-Reihe. Diese Vorschrift wurde mit dem Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) zum 1. Juli 2023 aufgehoben. Mobilitätsförderung bleibt natürlich Kernaufgabe der Pflege – im Unterricht wird das Thema weiterhin behandelt.
Wie ist ein Expertenstandard aufgebaut?
Jeder Expertenstandard folgt demselben Schema. Wenn du es einmal verstanden hast, findest du dich in allen Standards zurecht:
- Präambel: Warum ist das Thema wichtig, für wen gilt der Standard, welche Begriffe werden wie verwendet?
- Standardaussage: Das übergeordnete Ziel in einem Satz – beim Dekubitus sinngemäß: Gefährdete Menschen bekommen eine Prophylaxe, die einen Dekubitus verhindert.
- Begründung: Warum dieses Ziel wichtig ist.
- Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien auf mehreren Ebenen (meist fünf bis sechs), jeweils in drei Spalten:
- Struktur (S): Was die Pflegefachkraft wissen und können muss und was die Einrichtung bereitstellen muss (Wissen, Hilfsmittel, Verfahrensregeln)
- Prozess (P): Was die Pflegefachkraft tut (einschätzen, planen, beraten, durchführen)
- Ergebnis (E): Was am Ende erreicht und dokumentiert sein soll
Die Ebenen folgen dabei fast immer der Logik des Pflegeprozesses: Einschätzung → Planung → Information/Beratung → Durchführung → Evaluation.
Was bedeuten Expertenstandards für dich in der Ausbildung?
- In der Praxis: Jede Einrichtung setzt die Standards in eigenen Verfahrensanweisungen um, oft mit Assessment-Formularen. Frag in jedem Einsatz, wie die Station Dekubitus-, Sturz- und Schmerzeinschätzung konkret regelt.
- Im Unterricht: Expertenstandards gehören zum Kompetenzbereich IV (Qualitätsentwicklung) und tauchen gleichzeitig in Kompetenzbereich I bei den einzelnen Pflegephänomenen auf.
- In der Prüfung: In Fallsituationen wird erwartet, dass du Risiken erkennst und Maßnahmen fachlich begründest. Der Satz „gemäß Expertenstandard Sturzprophylaxe …" plus eine konkrete Maßnahme ist in der Pflegeplanung oft genau die Begründung, die Prüfer sehen wollen.
- Bei den Vorbehaltsaufgaben: Die Sicherung und Entwicklung der Pflegequalität ist eine der drei vorbehaltenen Tätigkeiten – Expertenstandards sind dafür das wichtigste Werkzeug.
So lernst du Expertenstandards für die Prüfung
- Struktur statt Wortlaut: Du musst keinen Standard auswendig können. Lerne für jeden Standard: Ziel, Risikofaktoren, Einschätzung, drei bis fünf zentrale Maßnahmen, Evaluation.
- Mit Prophylaxen verknüpfen: Dekubitus, Sturz, Ernährung, Kontinenz und Hautintegrität hängen direkt mit den Prophylaxen zusammen – lerne beides zusammen.
- Am Fall üben: Nimm eine Fallsituation aus dem Unterricht und frag dich: Welche Standards sind hier relevant? Welche Risiken liegen vor?
- Aktualisierungen kennen: Prüfungsfragen orientieren sich an der aktuellen Fassung. Ältere Lernzettel (z. B. mit Pflicht-Risikoskalen) können überholt sein.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Expertenstandards rechtlich verbindlich?
Expertenstandards sind keine Gesetze. Sie gelten aber als Ausdruck des anerkannten Stands der pflegefachlichen Erkenntnisse. Pflegeeinrichtungen müssen nach dem SGB XI eine Pflege nach diesem Stand sicherstellen, und bei Qualitätsprüfungen sowie im Haftungsfall wird die Pflege daran gemessen. Wer abweicht, braucht eine fachliche Begründung.
Muss ich für die Dekubitus-Einschätzung die Braden-Skala verwenden?
Nein. Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe verlangt eine systematische Risikoeinschätzung durch die Pflegefachkraft, schreibt aber keine bestimmte Skala vor. Skalen wie Braden oder Norton können die fachliche Einschätzung unterstützen, ersetzen sie aber nicht. Viele Einrichtungen nutzen sie trotzdem – frag nach der Verfahrensregel auf deiner Station.
Wo bekomme ich die Expertenstandards?
Die Originalfassungen mit Kommentierung und Literaturstudie gibt es im Webshop des DNQP. Für die Ausbildung reichen in der Regel die Zusammenfassungen in den Lehrbüchern und die Unterlagen deiner Pflegeschule.
Quellen
- Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Expertenstandards und Auditinstrumente; Veröffentlichungsübersicht, Stand September 2026
- § 113a SGB XI (aufgehoben) – aufgehoben durch das PUEG vom 19.06.2023 mit Wirkung zum 01.07.2023
- § 4 PflBG – Vorbehaltene Tätigkeiten
- Stand: Oktober 2026