Prophylaxen sind vorbeugende Pflegemaßnahmen: Sie sollen verhindern, dass bei pflegebedürftigen Menschen Folgeschäden entstehen – etwa ein Druckgeschwür, eine Lungenentzündung oder ein Sturz. Prophylaxen gehören zu den häufigsten Themen in Unterricht, Praxisanleitung und Examen. Auf dieser Seite findest du alle wichtigen Prophylaxen kompakt mit Risikofaktoren und Maßnahmen.

Das Prinzip ist immer gleich: 1. Risiko einschätzen → 2. Ursachen und Risikofaktoren erkennen → 3. Maßnahmen planen, die an den Ursachen ansetzen und die Ressourcen des Menschen nutzen → 4. Durchführen, beraten, anleiten → 5. Wirkung überprüfen. Das ist genau der Pflegeprozess – in der Prüfung wird erwartet, dass du Prophylaxen so begründest.

Übersicht: Die wichtigsten Prophylaxen

ProphylaxeWovor sie schütztExpertenstandard
DekubitusprophylaxeDruckgeschwürja (DNQP)
SturzprophylaxeStürze und Sturzfolgenja (DNQP)
PneumonieprophylaxeLungenentzündung–
ThromboseprophylaxeBlutgerinnsel in den Venen– (ärztliche Leitlinien)
KontrakturenprophylaxeGelenkversteifung–
AspirationsprophylaxeEindringen von Nahrung/Flüssigkeit in die Atemwege–
ObstipationsprophylaxeVerstopfung–
IntertrigoprophylaxeHautentzündung in Hautfaltenja, Teil von „Hautintegrität" (DNQP)
Soor- und ParotitisprophylaxePilzinfektion im Mund, OhrspeicheldrüsenentzündungBezug zu „Mundgesundheit" (DNQP)
DehydratationsprophylaxeFlüssigkeitsmangelBezug zu „Ernährungsmanagement" (DNQP)

Mehr zu den Standards unter Expertenstandards in der Pflege.

📖 Lerntipp: Prophylaxen kommen in jeder Abschlussprüfung vor. Ausführlich mit Bildern und Praxisbeispielen stehen sie in den Standardlehrbüchern, zum schnellen Wiederholen eignen sich Lernkarten:

Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links – kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht.

Dekubitusprophylaxe

Ein Dekubitus (Druckgeschwür) entsteht, wenn Haut und Gewebe über längere Zeit durch Druck (oft in Kombination mit Scherkräften) geschädigt werden – typisch an Kreuzbein, Fersen, Hüfte und Hinterkopf.

  • Risikofaktoren: eingeschränkte Mobilität, Immobilität nach OP, Inkontinenz und feuchte Haut, Mangelernährung, Durchblutungsstörungen, Sensibilitätsstörungen
  • Maßnahmen: Bewegung fördern und Eigenbewegung unterstützen, regelmäßige Positionswechsel nach individuellem Bewegungsplan, druckverteilende Hilfsmittel (z. B. Weichlagerungsmatratzen), Fersen frei lagern, Scherkräfte beim Bewegen vermeiden, Hautinspektion, Ernährung sichern
  • Merke: Der Expertenstandard verlangt eine systematische Risikoeinschätzung durch die Pflegefachkraft. Skalen wie Braden oder Norton können helfen, ersetzen aber nicht die fachliche Beurteilung.

Sturzprophylaxe

  • Risikofaktoren: Gang- und Gleichgewichtsstörungen, frühere Stürze, Sehstörungen, Inkontinenz und häufiger Harndrang, kognitive Einschränkungen, sturzrelevante Medikamente (z. B. Beruhigungs- und Schlafmittel, Blutdrucksenker), Stolperfallen
  • Maßnahmen: Umgebung anpassen (Beleuchtung, Stolperfallen entfernen, Bett niedrig), festes Schuhwerk, Hilfsmittel (Rollator, Haltegriffe) bereitstellen und den Umgang üben, Kraft- und Balancetraining, Medikamente gemeinsam mit dem Arzt überprüfen, Hüftprotektoren bei hohem Risiko, Information und Beratung
  • Merke: Freiheitsentziehende Maßnahmen wie Bettgitter oder Fixierungen sind keine Sturzprophylaxe – sie erhöhen das Verletzungsrisiko und sind nur mit richterlicher Genehmigung oder Einwilligung zulässig.

Pneumonieprophylaxe

  • Risikofaktoren: Bettlägerigkeit, flache Atmung (z. B. Schmerzen nach Bauch-OP), Schluckstörungen, schlechte Mundhygiene, geschwächtes Immunsystem, Rauchen, Beatmung
  • Maßnahmen: frühe Mobilisation, Atemübungen und atemunterstützende Positionierung (z. B. Oberkörperhochlage), Atemtrainer, Sekretmobilisation (ausreichend trinken, Inhalation nach Anordnung), gute Mundpflege, ausreichende Schmerztherapie, damit tiefes Atmen möglich ist
  • Einschätzung: z. B. mit der Atemskala nach Bienstein

Thromboseprophylaxe

Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, meist in den tiefen Beinvenen. Gefährlich ist vor allem die mögliche Lungenembolie.

  • Risikofaktoren (Virchow-Trias): verlangsamter Blutfluss (Immobilität), Veränderung der Gefäßwand (OP, Verletzung), erhöhte Gerinnungsneigung (z. B. Flüssigkeitsmangel, hormonelle Verhütung, Tumorerkrankung)
  • Maßnahmen: Frühmobilisation, Bewegungsübungen im Bett (Fußkreisen, „Fußpumpe"), ausreichend trinken, medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe oder Kompression nach Anordnung, medikamentöse Prophylaxe (z. B. Heparin) nach ärztlicher Anordnung
  • Beobachten: Schwellung, Schmerzen, Rötung oder Überwärmung eines Beins – sofort melden

Kontrakturenprophylaxe

Eine Kontraktur ist eine Bewegungseinschränkung eines Gelenks, z. B. durch dauerhafte Fehlhaltung oder Schonhaltung.

  • Risikofaktoren: Immobilität, Lähmungen (z. B. nach Schlaganfall), Schmerzen und Schonhaltung, lange gleiche Positionierung
  • Maßnahmen: aktive, assistive und passive Bewegungsübungen, Gelenke in physiologischer Mittelstellung positionieren, Mobilisation, Zusammenarbeit mit Physiotherapie, ausreichende Schmerztherapie

Aspirationsprophylaxe

  • Risikofaktoren: Schluckstörungen (Dysphagie, z. B. nach Schlaganfall oder bei Demenz), Bewusstseinsstörungen, liegende Position beim Essen, Sonden
  • Maßnahmen: aufrechte Sitzposition beim Essen und Trinken und danach, Kopf leicht nach vorn geneigt, Zeit und Ruhe beim Essen, Konsistenz anpassen (z. B. angedickte Getränke nach logopädischer Empfehlung), Mundpflege, auf Husten und „gurgelnde" Stimme achten
  • Merke: Bei Verdacht auf eine Schluckstörung braucht es eine fachliche Schluckdiagnostik (Logopädie, ärztlich).

Obstipationsprophylaxe

  • Risikofaktoren: Bewegungsmangel, wenig Flüssigkeit, ballaststoffarme Ernährung, Medikamente (z. B. Opioide), fehlende Intimsphäre
  • Maßnahmen: Bewegung fördern, ausreichend trinken (sofern keine Einschränkung angeordnet ist), ballaststoffreiche Kost, feste Toilettenzeiten und Privatsphäre, Kolonmassage, Abführmittel nur nach Anordnung, Stuhlgang beobachten und dokumentieren

Intertrigoprophylaxe

Eine Intertrigo ist eine Hautentzündung in Hautfalten, z. B. unter der Brust, in der Leiste oder am Bauch.

  • Risikofaktoren: Feuchtigkeit (Schwitzen, Inkontinenz), Reibung, Adipositas, Diabetes
  • Maßnahmen: Hautfalten nach dem Waschen sorgfältig abtrocknen (tupfen, nicht reiben), luftdurchlässige Kleidung, Baumwolltextil oder spezielle Textilien in Hautfalten nach Verfahrensregel, Haut regelmäßig inspizieren, Inkontinenzversorgung anpassen

Soor- und Parotitisprophylaxe

  • Soor ist eine Pilzinfektion der Mundschleimhaut (weißliche, abwischbare Beläge), Parotitis eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse.
  • Risikofaktoren: wenig Kauen (Sondenernährung, breiige Kost), Mundtrockenheit, schlechte Mundhygiene, geschwächtes Immunsystem, Antibiotika und Kortison
  • Maßnahmen: regelmäßige Mundpflege und Mundinspektion, Kauen und Speichelfluss anregen (feste Nahrung, wenn möglich), Mundschleimhaut feucht halten, ausreichend trinken, Zahnprothesen reinigen

Dehydratationsprophylaxe

  • Risikofaktoren: nachlassendes Durstgefühl im Alter, Schluckstörungen, Demenz, Fieber, Durchfall, Erbrechen, Hitze, Diuretika
  • Maßnahmen: Getränke sichtbar und erreichbar anbieten, Trinkvorlieben erfragen, feste Trinkzeiten, Hilfe beim Trinken, bei Bedarf Ein- und Ausfuhr dokumentieren (Trinkprotokoll)
  • Beobachten: trockene Schleimhäute, dunkler, konzentrierter Urin, Verwirrtheit, Schwindel

So lernst du Prophylaxen für die Prüfung

  1. Für jede Prophylaxe vier Punkte: Was ist die Komplikation? Welche Risikofaktoren gibt es? Wie wird eingeschätzt? Welche drei bis fünf Maßnahmen sind die wichtigsten?
  2. Zusammenhänge sehen: Mobilisation wirkt gleichzeitig gegen Dekubitus, Pneumonie, Thrombose, Kontraktur und Obstipation. In Fallsituationen zeigst du Kompetenz, wenn du solche Querverbindungen erkennst.
  3. Individuell begründen: In der Pflegeplanung nicht „Dekubitusprophylaxe durchführen", sondern konkret: „Positionswechsel alle zwei Stunden nach Bewegungsplan, 30°-Seitenlage im Wechsel, da Frau K. sich nicht selbst drehen kann."
  4. Mit der Praxis verknüpfen: Frag in jedem Einsatz nach den Verfahrensregeln der Station – das bleibt besser hängen als jeder Lernzettel.

📚 Examens-Lernpaket zum Ausdrucken

Alle zehn Prophylaxen dieser Seite gibt es im Lernpaket als Lernkarten zum Ausschneiden, mit 20 Prüfungsfragen zum Abfragen in der Lerngruppe.

  • 8 Kitteltaschenkarten mit Normwerten, GCS, Infusionsrechnung und SBAR
  • 10 Prophylaxen-Lernkarten mit Vorder- und Rückseite und 20 Abfragekarten
  • Alle 10 Expertenstandards kompakt mit Prüfungssatz für die Fallbearbeitung
  • Pflegeplanung: Spickzettel, ausgefülltes Beispiel und Word-Vorlage
  • 12-Wochen-Lernplan und Checklisten für die praktische und mündliche Prüfung
Lernpaket für 14,90 € →

Sofort-Download (PDF und Word) · Vorschau ansehen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Prophylaxen gibt es?

Eine feste Zahl gibt es nicht. In Lehrbüchern und im Unterricht werden meist zehn bis zwölf Prophylaxen behandelt – die auf dieser Seite sind die wichtigsten und kommen in Prüfungen am häufigsten vor. Daneben gibt es z. B. die Zystitis-, Infektions- oder Mangelernährungsprophylaxe.

Darf ich als Azubi Thrombosespritzen geben?

Die medikamentöse Thromboseprophylaxe ist eine ärztlich angeordnete Maßnahme, deren Durchführung an Pflegefachkräfte delegiert werden kann. Als Auszubildende:r führst du sie unter Anleitung und Aufsicht einer Pflegefachkraft durch – so, wie es in deinem Ausbildungsplan und der Verfahrensregel deiner Einrichtung vorgesehen ist.

Wie oft muss ein Positionswechsel bei Dekubitusgefahr erfolgen?

Eine feste Zeitvorgabe für alle gibt es nicht. Der Expertenstandard verlangt einen individuellen Bewegungsplan, der sich nach dem Risiko, dem Hautzustand und den verwendeten Hilfsmitteln richtet. Die oft genannten „alle zwei Stunden" sind ein Ausgangswert, der überprüft und angepasst werden muss.

Quellen