Hygiene schützt die Menschen, die du pflegst, und dich selbst. Infektionen, die erst im Krankenhaus oder Pflegeheim entstehen, lassen sich oft durch einfache Maßnahmen verhindern. Die wichtigste davon ist die Händedesinfektion. Auf dieser Seite lernst du die Grundlagen, die vom ersten Tag an gelten.
Gut zu wissen: Jede Einrichtung hat einen Hygieneplan. Dort steht genau, welche Mittel ihr nutzt und was bei bestimmten Erregern gilt. Lies ihn zu Beginn jedes Einsatzes und frag bei Unklarheiten deine Praxisanleitung oder die Hygienefachkraft.
Die 5 Momente der Händedesinfektion
Die meisten Keime werden über die Hände übertragen. Deshalb desinfizierst du deine Hände in diesen fünf Situationen:
| Moment | Beispiel |
|---|---|
| 1. Vor dem Kontakt mit dem Menschen | bevor du jemandem beim Aufstehen hilfst oder den Puls misst |
| 2. Vor aseptischen Tätigkeiten | vor dem Verbandswechsel, vor dem Vorbereiten einer Injektion |
| 3. Nach Kontakt mit möglicherweise infektiösem Material | nach Kontakt mit Urin, Stuhl, Blut oder Wundsekret, auch nach dem Ausziehen der Handschuhe |
| 4. Nach dem Kontakt mit dem Menschen | nach der Körperpflege, nach dem Blutdruckmessen |
| 5. Nach Kontakt mit der direkten Umgebung | nachdem du das Bett, den Nachttisch oder die Klingel berührt hast |
Das Konzept stammt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In Deutschland verbreitet es die „Aktion Saubere Hände“.
Händedesinfektion: so geht's richtig
- Genug Mittel nehmen: eine hohle Hand voll, meist 3 bis 5 ml, sodass beide Hände ganz benetzt sind.
- Einreiben, bis die Hände trocken sind: In der Regel dauert das 30 Sekunden. Maßgeblich ist die Angabe auf der Flasche.
- Nichts vergessen: Fingerkuppen, Daumen, Fingerzwischenräume und Handgelenke werden am häufigsten ausgelassen.
- Nur auf trockene Hände: Auf nassen Händen wirkt das Mittel schlechter.
Desinfizieren oder waschen? Im Pflegealltag desinfizierst du. Hände waschen ist nur nötig, wenn sie sichtbar schmutzig sind, nach dem Toilettengang und zu Dienstbeginn. Bei manchen Erregern schreibt der Hygieneplan zusätzlich das Waschen vor. Häufiges Waschen trocknet die Haut stärker aus als Desinfektionsmittel.
Voraussetzungen an den Händen:
- keine Ringe, Uhren oder Armbänder an Händen und Unterarmen
- kurze, saubere Fingernägel, kein Nagellack, keine künstlichen Nägel
- Hautpflege mit Handcreme, zum Beispiel in der Pause und nach dem Dienst, denn rissige Haut ist ein Einfallstor für Keime
Handschuhe und Schutzkleidung
Einmalhandschuhe trägst du, wenn du mit Blut, Urin, Stuhl, Erbrochenem, Wundsekret oder Schleimhäuten in Kontakt kommen kannst.
- Handschuhe ersetzen keine Händedesinfektion. Desinfiziere die Hände nach dem Ausziehen.
- Wechsle die Handschuhe zwischen zwei Menschen und wenn du von einer unsauberen zu einer sauberen Tätigkeit wechselst.
- Fass mit benutzten Handschuhen keine sauberen Flächen an, zum Beispiel Türklinken, Kugelschreiber oder dein Handy.
Weitere Schutzkleidung wie Schürze, Schutzkittel, Mund-Nasen-Schutz oder Schutzbrille legst du an, wenn deine Kleidung oder dein Gesicht verschmutzt werden könnte. Welche Schutzkleidung bei welchem Erreger nötig ist, steht im Hygieneplan.
Weitere Grundregeln
- Dienstkleidung: täglich frisch anziehen und nur bei der Arbeit tragen. Lange Haare zusammenbinden.
- Flächen: Arbeitsflächen vor sauberen Tätigkeiten desinfizieren, zum Beispiel vor dem Richten von Medikamenten.
- Spritzen und Kanülen: gebrauchte Kanülen nie zurück in die Schutzkappe stecken, sondern sofort in den Abwurfbehälter. Hast du dich trotzdem gestochen: Wunde bluten lassen, desinfizieren und sofort melden.
- Wäsche und Müll: schmutzige Wäsche nicht schütteln und nicht an die Kleidung halten, direkt in den Wäschesack. Abfall nach den Vorgaben der Einrichtung trennen.
- Krank zur Arbeit? Mit Durchfall, Erbrechen oder Fieber gefährdest du die Menschen, die du pflegst. Sprich vor Dienstbeginn mit deiner Leitung.
Multiresistente Erreger (MRE)
Multiresistente Erreger sind Bakterien, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirken. Bekannte Beispiele sind MRSA, MRGN und VRE. Sie werden vor allem über die Hände und über Flächen übertragen.
Für dich heißt das:
- Die Basishygiene konsequent einhalten, besonders die Händedesinfektion.
- Zusätzliche Maßnahmen wie Einzelzimmer, Schutzkittel oder Handschuhe richten sich nach dem Hygieneplan. Sie unterscheiden sich je nach Erreger und Einrichtung.
- Ein Mensch mit MRE braucht dieselbe Zuwendung wie alle anderen. Erkläre ihm, warum du Schutzkleidung trägst.
Typische Fehler
- Zu kurz desinfizieren: Fünf Sekunden reichen nicht. Zähl innerlich mit oder schau auf die Uhr.
- Handschuhe statt Desinfektion: Handschuhe haben oft winzige Löcher, und beim Ausziehen kommen Keime an die Hände.
- Ring oder Uhr „nur kurz“: Unter Schmuck kann das Mittel nicht wirken.
- Mit Handschuhen durchs Zimmer: Erst die Klingel, dann das Handy, dann der nächste Mensch, so verteilen sich Keime.
- Moment 5 vergessen: Auch nach dem Berühren von Bett oder Nachttisch desinfizierst du.
Hygiene in der Prüfung
Hygiene kommt in der schriftlichen und mündlichen Prüfung oft vor, zum Beispiel: „Nennen Sie die 5 Momente der Händedesinfektion.“ In der praktischen Prüfung achten die Prüfenden genau darauf, ob du zu den richtigen Zeitpunkten desinfizierst. Eine vergessene Händedesinfektion fällt dort sofort auf. Übe deshalb schon im Praxiseinsatz, die 5 Momente ganz automatisch einzuhalten. Weitere Fragen mit Antworten findest du bei unseren Prüfungsfragen fürs Pflegeexamen.
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Für die Kitteltasche: eine Karte mit den 5 Momenten der Händehygiene, dazu ISBAR für die Übergabe, Schmerz und Sturz Schritt für Schritt, Formulierungshilfen für den Pflegebericht und ein Einsatz-Planer.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange dauert eine hygienische Händedesinfektion?
In der Regel 30 Sekunden. Maßgeblich ist die Angabe des Herstellers. Die Hände müssen die ganze Zeit vollständig benetzt sein.
Darf ich in der Pflege Nagellack oder einen Ehering tragen?
Nein. Nagellack, künstliche Nägel und Schmuck an Händen und Unterarmen, auch der Ehering, behindern die Händedesinfektion. Viele Einrichtungen regeln das ausdrücklich im Hygieneplan.
Muss ich die Hände desinfizieren, wenn ich Handschuhe getragen habe?
Ja. Nach dem Ausziehen der Handschuhe desinfizierst du immer die Hände. Handschuhe können kleine Löcher haben, und beim Ausziehen können Keime auf die Haut gelangen.
Was ist der Unterschied zwischen Desinfektion und Sterilisation?
Bei der Desinfektion wird die Zahl der Keime so stark verringert, dass keine Infektion mehr droht. Bei der Sterilisation werden alle Keime abgetötet, zum Beispiel bei OP-Instrumenten.
Was mache ich nach einer Nadelstichverletzung?
Die Wunde bluten lassen, gründlich desinfizieren und sofort deiner Leitung melden. Die Einrichtung hat dafür einen festen Ablauf, der auch die ärztliche Untersuchung regelt.
Quellen
- Aktion Saubere Hände: 5 Momente der Händedesinfektion
- Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim RKI – Empfehlungen zur Händehygiene und Basishygiene
- WHO: World Hand Hygiene Day
- Maßgeblich sind immer der Hygieneplan und die Vorgaben deiner Einrichtung.
- Stand: November 2026