Hier findest du 33 typische Prüfungsfragen aus dem Pflegeexamen mit kurzen Antworten, sortiert nach Themen. Klick auf eine Frage, um die Antwort zu sehen. Am besten beantwortest du jede Frage erst laut oder schriftlich und schaust dann nach.
So ist das Examen aufgebaut: Die schriftliche Prüfung besteht aus drei Klausuren mit Fallsituationen. Einzelne Wissensfragen wie hier kommen dort selten isoliert vor. Das Wissen brauchst du aber, um Fälle zu bearbeiten und deine Maßnahmen zu begründen. Wie die Prüfung genau abläuft, steht unter Abschlussprüfung.
Pflegeprozess und Recht
1. Welche Tätigkeiten sind Pflegefachkräften nach § 4 PflBG vorbehalten?
Die Erhebung und Feststellung des individuellen Pflegebedarfs, die Organisation, Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses sowie die Analyse, Evaluation, Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege. Mehr unter Vorbehaltsaufgaben.
2. Nenne die sechs Schritte des Pflegeprozesses.
Informationssammlung, Erkennen von Problemen und Ressourcen, Festlegen der Pflegeziele, Planung der Maßnahmen, Durchführung, Evaluation (Modell nach Fiechter und Meier). Ausführlich mit Beispiel unter Pflegeprozess.
3. Was bedeutet SMART bei der Formulierung von Pflegezielen?
Spezifisch, messbar, akzeptiert (bzw. erreichbar), realistisch, terminiert. Das Ziel wird aus Sicht des pflegebedürftigen Menschen formuliert, z. B. „Frau S. geht bis Freitag mit Rollator 20 m auf dem Flur.“
4. Wofür steht das PES-Format?
Problem, Einflussfaktor (Ursache, „bedingt durch“) und Symptom („erkennbar an“). Damit wird ein Pflegeproblem bzw. eine Pflegediagnose vollständig beschrieben.
5. Wann ist eine freiheitsentziehende Maßnahme (z. B. Bettgitter) erlaubt?
Mit wirksamer Einwilligung des einwilligungsfähigen Menschen. Ist er nicht einwilligungsfähig, braucht es die Einwilligung des Betreuers oder Bevollmächtigten und die Genehmigung des Betreuungsgerichts (§ 1831 BGB), wenn die Maßnahme über längere Zeit oder regelmäßig erfolgt. In einer akuten Notsituation darf kurzfristig gehandelt werden, die Genehmigung ist dann unverzüglich einzuholen. Vorher müssen mildere Alternativen geprüft werden, etwa ein Niederflurbett oder Sensormatten.
6. Wo ist die Schweigepflicht von Pflegefachkräften geregelt?
Strafrechtlich in § 203 StGB. Pflegefachkräfte dürfen anvertraute Geheimnisse nicht unbefugt offenbaren. Ausnahmen gelten z. B. bei Einwilligung, gesetzlicher Pflicht oder rechtfertigendem Notstand.
7. Was bedeuten Anordnungs- und Durchführungsverantwortung?
Bei ärztlich delegierten Tätigkeiten (z. B. Injektionen) trägt der Arzt die Anordnungsverantwortung: Er muss richtig anordnen und die Pflegekraft muss geeignet sein. Die Pflegefachkraft trägt die Durchführungsverantwortung: Sie muss die Maßnahme fachgerecht ausführen und darf eine Tätigkeit ablehnen, die sie nicht sicher beherrscht.
Prophylaxen
8. Nenne die drei Faktoren der Virchow-Trias.
Verlangsamter Blutfluss, Schädigung der Gefäßwand und erhöhte Gerinnungsneigung. Sie erklären die Entstehung einer Thrombose.
9. Schreibt der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe eine bestimmte Risikoskala vor?
Nein. Verlangt wird eine systematische Einschätzung durch die Pflegefachkraft. Skalen wie Braden oder Norton dürfen unterstützen, ersetzen aber nicht die fachliche Beurteilung.
10. Warum ist ein Bettgitter keine Sturzprophylaxe?
Es verhindert Stürze nicht zuverlässig. Wer darüber klettert, stürzt aus größerer Höhe. Außerdem ist es eine freiheitsentziehende Maßnahme und braucht Einwilligung oder Genehmigung.
11. Wie positionierst du einen Menschen mit Schluckstörung beim Essen?
Aufrecht sitzend, Kopf leicht nach vorn geneigt, mit Zeit und Ruhe. Nach dem Essen noch etwa 30 Minuten aufrecht bleiben. Die Konsistenz wird nach logopädischer Empfehlung angepasst.
12. Woran erkennst du einen Soor?
An weißlichen, abwischbaren Belägen auf Zunge und Mundschleimhaut. Darunter kann die Schleimhaut gerötet sein und bluten.
Alle Prophylaxen mit Risikofaktoren und Maßnahmen findest du unter Prophylaxen in der Pflege. Zum Abfragen in der Lerngruppe gibt es im Examens-Lernpaket 20 weitere Prüfungsfragen als Karten.
Vitalzeichen
13. Wie lauten die Normwerte für Puls, Atemfrequenz und Temperatur bei Erwachsenen?
Puls 60–100/min, Atemfrequenz 12–20/min, Körpertemperatur ca. 36,3–37,4 °C. Alle Werte mit Tabellen unter Vitalzeichen und Normwerte.
14. Ab welchem Wert spricht man von Hypertonie?
Ab 140/90 mmHg (Praxismessung).
15. Welcher SpO₂-Zielbereich gilt bei COPD mit Gefahr einer CO₂-Retention?
88–92 %. Bei den meisten anderen Erwachsenen unter Sauerstoffgabe liegt der Zielbereich bei 92–96 %.
16. Wie berechnest du den Schockindex, und was bedeutet ein Wert über 1?
Puls geteilt durch systolischen Blutdruck. Normal ist etwa 0,5. Ein Wert ab etwa 1 (Puls höher als systolischer Druck) weist auf einen Schock hin.
17. Was ist Kussmaul-Atmung?
Eine vertiefte, regelmäßige Atmung bei metabolischer Azidose, z. B. bei diabetischer Ketoazidose. Oft riecht die Atemluft nach Azeton.
Krankheitslehre
Die wichtigsten Krankheitsbilder mit Leitsymptomen und Pflegeschwerpunkten findest du kompakt unter Krankheitsbilder fürs Pflegeexamen.
18. Woran erkennst du eine Hypoglykämie, und was tust du?
Zittern, Schwitzen, Heißhunger, Unruhe, Herzrasen, Verwirrtheit bis zur Bewusstlosigkeit; Blutzucker unter 70 mg/dl. Bei Bewusstsein gibst du schnell wirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Saft und kontrollierst den Blutzucker. Bei Bewusstlosigkeit gibst du nichts in den Mund und alarmierst den Notruf bzw. den Arzt.
19. Wie erkennst du einen Schlaganfall schnell?
Mit dem FAST-Test: Face (hängender Mundwinkel beim Lächeln), Arms (ein Arm sinkt beim Anheben ab), Speech (verwaschene Sprache), Time (sofort Notruf 112, Zeitpunkt des Symptombeginns notieren).
20. Was sind typische Zeichen eines Herzinfarkts?
Anhaltender, starker Druck oder Schmerz hinter dem Brustbein, oft mit Ausstrahlung in Arm, Hals, Kiefer oder Oberbauch, dazu Atemnot, Übelkeit, Kaltschweißigkeit und Angst. Bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern sind die Beschwerden häufiger untypisch, z. B. nur Übelkeit oder Oberbauchschmerz.
21. Wie unterscheiden sich Links- und Rechtsherzinsuffizienz in den Symptomen?
Bei Linksherzinsuffizienz staut sich das Blut in die Lunge zurück: Atemnot, Orthopnoe, nächtlicher Husten, im Extremfall Lungenödem. Bei Rechtsherzinsuffizienz staut es sich in den Körperkreislauf: Beinödeme, gestaute Halsvenen, Gewichtszunahme, Leberstauung.
22. Wie unterscheidest du ein Delir von einer Demenz?
Ein Delir beginnt akut innerhalb von Stunden bis Tagen, schwankt im Tagesverlauf, geht mit Aufmerksamkeitsstörungen einher und ist oft reversibel, wenn die Ursache behandelt wird (z. B. Infektion, Exsikkose, Medikamente). Eine Demenz entwickelt sich schleichend über Monate bis Jahre. Ein Delir ist ein Notfall und muss ärztlich abgeklärt werden.
23. Nenne Zeichen einer Exsikkose bei älteren Menschen.
Trockene Schleimhäute und Zunge, stehende Hautfalten, wenig und konzentrierter Urin, Verwirrtheit, Schwindel, Schwäche, niedriger Blutdruck und schneller Puls. Das Durstgefühl fehlt im Alter oft.
Arzneimittel
24. Wie lautet die 6-R-Regel?
Richtiger Patient, richtiges Arzneimittel, richtige Dosierung, richtige Applikationsart, richtiger Zeitpunkt und richtige Dokumentation. Manche Einrichtungen arbeiten mit erweiterten Regeln (z. B. 10-R).
25. Welche Nebenwirkungen von Opioiden musst du beobachten?
Vor allem Obstipation (tritt fast immer auf und wird meist vorbeugend behandelt), Übelkeit, Müdigkeit, Schwindel und Sturzgefahr. Bei Überdosierung kommt es zur Atemdepression.
26. Worauf achtest du bei Patienten unter Heparin?
Auf Blutungszeichen (Hämatome, Zahnfleischbluten, Blut im Urin oder Stuhl) und auf Hinweise auf eine heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT). Dafür werden die Thrombozyten kontrolliert. Injektionsstellen werden nach Plan gewechselt.
27. Wie werden Betäubungsmittel auf Station aufbewahrt und dokumentiert?
Gesondert und gesichert unter Verschluss. Zu- und Abgänge werden lückenlos dokumentiert, mit Bestandsnachweis nach der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV). Der Bestand wird regelmäßig kontrolliert.
Hygiene
28. Nenne die fünf Momente der Händedesinfektion.
Vor dem Patientenkontakt, vor aseptischen Tätigkeiten, nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material, nach dem Patientenkontakt und nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung (Konzept der WHO bzw. der „Aktion Saubere Hände“).
29. Wie lange dauert eine hygienische Händedesinfektion?
In der Regel 30 Sekunden. Maßgeblich ist die Herstellerangabe. Die Hände müssen während der gesamten Einwirkzeit vollständig benetzt bleiben.
30. Wie wird MRSA hauptsächlich übertragen?
Über Kontakt, vor allem über die Hände des Personals. Deshalb sind Händedesinfektion und Schutzkleidung nach dem Hygieneplan die wichtigsten Maßnahmen.
Kommunikation, Ethik und Palliative Care
31. Was ist der Grundgedanke der Validation?
Die Gefühle und die Wirklichkeit des Menschen mit Demenz werden angenommen und wertgeschätzt, statt ihn zu korrigieren oder mit Fakten zu konfrontieren (Validation nach Naomi Feil, Integrative Validation nach Nicole Richard).
32. Nenne die Sterbephasen nach Kübler-Ross.
Nicht-wahrhaben-Wollen, Zorn, Verhandeln, Depression und Zustimmung. Die Phasen verlaufen nicht bei jedem Menschen in dieser Reihenfolge und können sich wiederholen.
33. Was ist eine Patientenverfügung, und welche Form braucht sie?
Eine schriftliche Festlegung eines einwilligungsfähigen Volljährigen, ob er in bestimmte medizinische Maßnahmen einwilligt oder sie untersagt, für den Fall, dass er sich später nicht mehr äußern kann. Sie muss schriftlich verfasst und unterschrieben sein (§ 1827 BGB).
Fallbeispiel zum Üben
So ähnlich sehen die Aufgaben in der Klausur aus. Nimm dir 20 Minuten Zeit und notiere deine Antworten, bevor du die Lösungsskizze öffnest.
Herr K., 78 Jahre, lebt seit zwei Wochen im Pflegeheim. Er hat Diabetes mellitus Typ 2 (Insulin) und eine beginnende Demenz. Seit gestern ist er tagsüber schläfrig, nachts unruhig und verwirrt, er trinkt kaum. Heute Morgen misst du: Blutdruck 105/60 mmHg, Puls 104/min, Temperatur 37,9 °C, Blutzucker 260 mg/dl. Der Urin ist dunkel und riecht streng.
Aufgaben: 1. Welche Probleme erkennst du? 2. Was tust du sofort? 3. Welche Prophylaxen sind jetzt besonders wichtig? 4. Welche Informationen gibst du an den Arzt weiter?
Lösungsskizze anzeigen
- Probleme: akute Verwirrtheit mit Schläfrigkeit und Unruhe, Verdacht auf Delir. Dazu Zeichen einer Dehydratation (trinkt kaum, dunkler Urin, niedriger Blutdruck, schneller Puls), erhöhte Temperatur und Urinbefund mit Verdacht auf Harnwegsinfekt sowie ein erhöhter Blutzucker. Ressourcen: Er ist ansprechbar und lebt in einer betreuten Umgebung.
- Sofort: Vitalzeichen und Bewusstsein engmaschig kontrollieren, Arzt informieren, Flüssigkeit anbieten, wenn er sicher schlucken kann, Sturzgefahr absichern (Bett niedrig, Klingel, Licht), ruhig und orientierend kommunizieren, Ein- und Ausfuhr dokumentieren.
- Prophylaxen: Dehydratations-, Sturz-, Dekubitus- (Schläfrigkeit, weniger Bewegung), Aspirations- (Schläfrigkeit beim Trinken) und Pneumonieprophylaxe.
- Informationen an den Arzt (SBAR): S: Herr K. ist seit gestern akut verwirrt und trinkt kaum. B: Diabetes Typ 2 mit Insulin, beginnende Demenz, seit zwei Wochen im Heim. A: RR 105/60, Puls 104, Temperatur 37,9 °C, BZ 260 mg/dl, dunkler, streng riechender Urin; ich vermute Exsikkose, Infekt und Delir. R: Bitte um zeitnahe ärztliche Sichtung und Anordnung (z. B. Urinuntersuchung, Flüssigkeit, Insulin).
In der Klausur bringen dir Begründungen Punkte, z. B. mit Bezug auf den Expertenstandard Sturzprophylaxe oder auf die Gefahr eines Delirs bei Exsikkose.
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Tipps zum Lernen mit Prüfungsfragen
- Erst antworten, dann nachsehen. Nur Lesen fühlt sich gut an, bleibt aber kaum hängen. Aktives Erinnern wirkt deutlich besser.
- Laut erklären. Für die mündliche Prüfung musst du Wissen in eigenen Worten wiedergeben können. Erkläre die Antworten einer Person aus deiner Lerngruppe.
- Immer zum Fall denken. Frag dich bei jeder Frage, in welcher Pflegesituation das Wissen wichtig wird.
- Lücken markieren. Was du nicht wusstest, kommt auf eine Liste und wird in den nächsten Tagen wiederholt.
Quellen
- Pflegeberufegesetz (PflBG) und Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung (PflAPrV)
- § 1827 BGB Patientenverfügung, § 1831 BGB, § 203 StGB
- Expertenstandards des DNQP, siehe Expertenstandards in der Pflege
- Mancia G. et al.: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension; AWMF S3-Leitlinie „Sauerstoff in der Akuttherapie beim Erwachsenen“ (020-021)
- Aktion Saubere Hände: 5 Indikationen der Händedesinfektion
- Kübler-Ross E.: Interviews mit Sterbenden. Stuttgart 1971; Feil N.: Validation. München
- Stand: Oktober 2026