Am Anfang der Ausbildung fühlt sich die Übergabe oft an wie eine Fremdsprache: „Z. n. Apoplex, Dysphagie, AZ reduziert.“ Keine Sorge, das geht allen so. Du musst nicht Hunderte Wörter auswendig lernen. Mit ein paar Wortbausteinen kannst du viele Begriffe selbst ableiten. Auf dieser Seite findest du die Bausteine, die wichtigsten Begriffe aus dem Stationsalltag und typische Abkürzungen.

Wortbausteine: der Trick zum Ableiten

Viele Fachbegriffe bestehen aus Teilen, die immer wieder vorkommen. Kennst du die Teile, verstehst du das ganze Wort.

BausteinBedeutungBeispiel
hyper-zu viel, erhöhtHypertonie = zu hoher Blutdruck
hypo-zu wenig, erniedrigtHypoglykämie = zu niedriger Blutzucker
tachy-schnellTachykardie = zu schneller Puls
brady-langsamBradykardie = zu langsamer Puls
dys-gestört, erschwertDyspnoe = erschwerte Atmung
a-, an-ohne, fehlendApnoe = Atemstillstand
poly-vielPolyurie = sehr viel Urin
-itisEntzündungZystitis = Blasenentzündung
-ektomieoperative EntfernungAppendektomie = Entfernung des Blinddarms
-pnoeAtmungOrthopnoe = Atemnot im Liegen, besser im Sitzen
-urieUrinDysurie = Schmerzen beim Wasserlassen
-algieSchmerzNeuralgie = Nervenschmerz
prä-, post-vor, nachpostoperativ = nach der Operation
intra-, sub-innerhalb, untersubkutan = unter die Haut

Lagebezeichnungen

Diese Begriffe brauchst du bei Wunden, Schmerzen und Lagerung:

BegriffBedeutung
kranial / kaudalzum Kopf hin / zum Steiß hin
ventral / dorsalbauchwärts / rückenwärts
medial / lateralzur Körpermitte hin / zur Seite hin
proximal / distalzum Rumpf hin / vom Rumpf weg (z. B. an Arm oder Bein)
links / rechtsimmer aus Sicht des Menschen, nicht aus deiner Sicht

Begriffe aus dem Stationsalltag

Atmung und Kreislauf

BegriffBedeutung
DyspnoeAtemnot, erschwerte Atmung
ZyanoseBlaufärbung von Haut oder Lippen durch Sauerstoffmangel
Hypertonie / Hypotoniezu hoher / zu niedriger Blutdruck
Tachykardie / Bradykardiezu schneller / zu langsamer Puls

Die Normwerte dazu findest du unter Vitalzeichen und Normwerte.

Ausscheidung

BegriffBedeutung
MiktionWasserlassen
DefäkationStuhlgang
ObstipationVerstopfung
DiarrhöDurchfall
InkontinenzUrin oder Stuhl kann nicht gehalten werden
Oligurie / Anuriesehr wenig / fast kein Urin

Haut und Gewebe

BegriffBedeutung
DekubitusDruckgeschwür durch langes Liegen oder Sitzen
ÖdemWasseransammlung im Gewebe, z. B. geschwollene Beine
HämatomBluterguss
ExsikkoseAustrocknung des Körpers durch Flüssigkeitsmangel
Intertrigoentzündete Haut in Hautfalten

Bewusstsein, Sprache, Schlucken

BegriffBedeutung
orientiertweiß, wer und wo er ist und welcher Tag ist
somnolentschläfrig, aber leicht weckbar
Delirplötzlich auftretende Verwirrtheit
AphasieSprachstörung, z. B. nach einem Schlaganfall
DysphagieSchluckstörung
AspirationSpeichel, Essen oder Getränke gelangen in die Atemwege

Pflege allgemein

BegriffBedeutung
AnamneseErfassen der Vorgeschichte, siehe Pflegeanamnese
ProphylaxeVorbeugung, siehe Prophylaxen
Mobilisationeinen Menschen in Bewegung bringen, z. B. an die Bettkante oder in den Stuhl
KontrakturGelenk lässt sich nicht mehr voll bewegen
ThromboseBlutgerinnsel in einer Vene
PneumonieLungenentzündung
ApoplexSchlaganfall

Abkürzungen auf Station

AbkürzungBedeutung
AZ / EZAllgemeinzustand / Ernährungszustand
RRBlutdruck (nach Riva-Rocci, dem Erfinder des Messgeräts)
HF / AFHerzfrequenz / Atemfrequenz
SpO₂Sauerstoffsättigung
BZBlutzucker
NRSNumerische Rating-Skala für Schmerzen (0 bis 10)
DKDauerkatheter (Blasenkatheter)
PEGErnährungssonde durch die Bauchdecke in den Magen
pVK / ZVKVenenzugang am Arm / zentraler Venenkatheter
VWVerbandswechsel
Z. n.Zustand nach, z. B. „Z. n. Hüft-OP“
V. a.Verdacht auf
o. B.ohne Befund, also unauffällig
MREmultiresistente Erreger, z. B. MRSA
ITSIntensivstation

Abkürzungen für Medikamente wie p. o., s. c. oder b. B. findest du auf der Seite Medikamente und 6-R-Regel.

Wichtig: Jede Einrichtung nutzt eigene Abkürzungen. Wenn du eine nicht kennst, frag nach. Im Pflegebericht solltest du nur Abkürzungen verwenden, die in deiner Einrichtung üblich sind.

So lernst du Fachbegriffe leichter

  • Bausteine statt Einzelwörter: Lern zuerst die Wortbausteine oben. Damit verstehst du viele neue Begriffe sofort.
  • Eigene Liste führen: Schreib dir jeden neuen Begriff aus der Übergabe auf und schlag ihn nach.
  • Laut benutzen: Sprich die Begriffe in der Übergabe selbst aus. So bleiben sie besser hängen.
  • Lernkarten: Vorne der Begriff, hinten die Erklärung. Das geht auch mit einer App, siehe Lern-Apps für die Pflege.

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Für die Kitteltasche: eine Karte mit den wichtigsten Abkürzungen auf Station, dazu ISBAR für die Übergabe, Formulierungshilfen für den Pflegebericht und ein Einsatz-Planer.

  • 8 Kitteltaschenkarten: Übergabe mit ISBAR, Arztanruf, Pflegebericht, Händehygiene, Schmerz, Sturz, Abkürzungen
  • Pflegebericht: 20 Beispiele wertend → neutral, Satzbausteine für 10 Themen, Übungsblatt mit Lösungen
  • Reflexion: Anleitung, ausformuliertes Beispiel und Word-Vorlage
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich Latein können für die Pflegeausbildung?

Nein. Viele Fachbegriffe kommen aus dem Lateinischen oder Griechischen, aber du lernst sie in der Ausbildung Schritt für Schritt. Mit den Wortbausteinen auf dieser Seite verstehst du schon viele Begriffe.

Wie viele Fachbegriffe muss ich kennen?

Dafür gibt es keine feste Zahl. Am Anfang reichen die Begriffe, die in deiner Übergabe und im Pflegebericht vorkommen. Mit jedem Einsatz kommen neue dazu, je nach Fachbereich.

Soll ich im Gespräch mit Patienten Fachbegriffe benutzen?

Nein, sprich mit Patienten und Angehörigen in einfachen Worten. Sag zum Beispiel „Bluterguss“ statt „Hämatom“. Fachbegriffe sind für die Verständigung im Team und in der Dokumentation.

Quellen