In vielen Klausuren und Praxisaufträgen sollst du eine vollständige Pflegeplanung für einen Menschen aus der Langzeitpflege schreiben. Hier findest du ein ausgearbeitetes Beispiel: von der Informationssammlung über die Probleme und Ressourcen nach ABEDL bis zu Zielen, Maßnahmen und Evaluation. Kürzere Einzelbeispiele zu vielen Pflegeproblemen findest du unter Pflegeplanung: 10 Beispiele, die 13 ABEDL mit Beobachtungspunkten unter ABEDL und AEDL.
Hinweis: Der Fall ist frei erfunden. In Pflegeheimen wird häufig mit dem Strukturmodell und der SIS dokumentiert. In Ausbildung und Prüfung wird aber meist die klassische Planung mit Problem, Ziel und Maßnahmen erwartet, wie hier gezeigt. Welche Struktur deine Schule verlangt, ist entscheidend.
Die Fallsituation: Frau Hoffmann, 84 Jahre
Frau Hoffmann lebt seit drei Wochen im Pflegeheim. Bis zum Tod ihres Mannes vor einem Jahr hat sie mit ihm in einer Wohnung gelebt; danach hat ihre Tochter sie unterstützt, kam aber an ihre Grenzen. Frau Hoffmann war Schneiderin und hat leidenschaftlich gern gehäkelt.
- Diagnosen: Alzheimer-Demenz im frühen bis mittleren Stadium, Diabetes mellitus Typ 2 (orale Antidiabetika), chronische Herzinsuffizienz, Arthrose beider Kniegelenke
- Pflegegrad: 3
- Beobachtungen der ersten Wochen: Sie ist zeitlich und örtlich unsicher orientiert, zur Person orientiert. Nachmittags wird sie unruhig und sucht „ihren Mann“. Sie geht mit Rollator, unsicher, ist im Bad einmal gestürzt (ohne Verletzung). Sie trinkt etwa 900 ml pro Tag, isst wenig, Gewicht seit Einzug von 61 auf 59 kg gesunken. Nachts muss sie zwei- bis dreimal zur Toilette, morgens ist die Vorlage gelegentlich nass. Bei Belastung bekommt sie Atemnot, die Unterschenkel sind abends leicht geschwollen. Knieschmerzen beim Aufstehen (NRS 5). Sie zieht sich im Gemeinschaftsraum zurück und sagt: „Hier kenne ich ja niemanden.“
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Die Pflegeplanung
Die Planung zeigt die sechs wichtigsten Probleme. In einer echten Planung würdest du alle relevanten Bereiche erfassen.
1. Sich bewegen können / Sicherheit: Sturzrisiko
- Problem (Risiko): Frau Hoffmann hat ein erhöhtes Sturzrisiko, bedingt durch Gangunsicherheit bei Kniearthrose, eingeschränkte Orientierung, nächtlichen Harndrang und einen Sturz in der Vorgeschichte.
- Ressourcen: geht mit Rollator, nimmt Hilfe an, wenn sie freundlich angeboten wird.
- Ziel: Frau Hoffmann stürzt nicht. Sie geht bis [Datum + 4 Wochen] tagsüber mit Rollator sicher zum Speisesaal.
- Maßnahmen:
- Sturzrisikofaktoren erfassen und dokumentieren, bei Veränderungen neu einschätzen
- Bett in niedrigster Position, Nachtlicht und Bewegungsmelder, Klingel und Rollator in Reichweite
- feste Hausschuhe mit rutschfester Sohle, Haltegriffe im Bad nutzen und üben
- Teilnahme an der Sturzpräventionsgruppe (Kraft und Balance) zweimal wöchentlich anbieten
- Hausärztin auf Medikamente mit Sturzrisiko und die Schmerztherapie ansprechen
- Evaluation: täglich Sturzereignis ja/nein; wöchentlich Gangsicherheit im Team besprechen.
- Begründung: Expertenstandard Sturzprophylaxe (multifaktorielle Maßnahmen); freiheitsentziehende Maßnahmen wie Bettgitter sind keine Sturzprophylaxe.
2. Essen und trinken können: Flüssigkeitsdefizit und Gewichtsverlust
- Problem (PES): Frau Hoffmann trinkt zu wenig und nimmt ab, bedingt durch nachlassendes Durstgefühl, Angst vor nächtlichem Harndrang und geringen Appetit in der neuen Umgebung, erkennbar an etwa 900 ml Trinkmenge pro Tag und 2 kg Gewichtsverlust in drei Wochen.
- Ressourcen: isst und trinkt selbstständig, mag Milchkaffee, Apfelschorle und Süßes.
- Ziel: Frau Hoffmann trinkt ab [Datum] täglich die ärztlich festgelegte Menge von 1.300–1.500 ml, den Großteil bis 17 Uhr; ihr Gewicht bleibt bis [Datum + 4 Wochen] stabil bei mindestens 59 kg.
- Maßnahmen:
- Trinkmenge wegen der Herzinsuffizienz mit der Hausärztin abstimmen und dokumentieren
- Lieblingsgetränke sichtbar bereitstellen, stündlich anbieten, Schwerpunkt am Vormittag
- Trinkprotokoll; Gewicht einmal wöchentlich morgens nüchtern
- Wunschkost, kleine Portionen, energiereiche Zwischenmahlzeiten, Tischnachbarin mit ähnlichen Interessen
- Mund und Zahnprothese kontrollieren, bei Druckstellen Zahnarzt informieren
- Evaluation: täglich Trinkprotokoll, wöchentlich Gewicht.
- Begründung: Expertenstandard Ernährungsmanagement; Exsikkose erhöht bei älteren Menschen das Risiko für Verwirrtheit, Stürze und Harnwegsinfekte.
3. Kommunizieren / Sicherheit: Desorientierung und Unruhe am Nachmittag
- Problem (PES): Frau Hoffmann ist zeitlich und örtlich desorientiert, bedingt durch die Alzheimer-Demenz und die neue Umgebung, erkennbar an nachmittäglicher Unruhe und der Suche nach ihrem verstorbenen Mann.
- Ressourcen: zur Person orientiert, erinnert sich gut an ihren Beruf und ihre Ehe, reagiert auf ruhige, freundliche Ansprache, hat Fotoalben mitgebracht.
- Ziel: Frau Hoffmann wirkt nachmittags ruhiger und zufriedener (beobachtbar: weniger und kürzere Unruhephasen, nimmt an einer Beschäftigung teil).
- Maßnahmen:
- feste Tagesstruktur, Bezugspflege
- ab 15 Uhr biografieorientierte Beschäftigung anbieten: Häkeln, Stoffe sortieren, Fotoalbum ansehen
- verstehende Kommunikation: Gefühle aufgreifen („Sie vermissen Ihren Mann“), nicht korrigieren oder konfrontieren (Validation)
- Orientierungshilfen: gut lesbare Uhr und Kalender, Foto an der Zimmertür
- Verhalten und mögliche Auslöser (Schmerz, Durst, Toilettengang, Lärm) beobachten und dokumentieren
- Evaluation: Verhaltensbeobachtung über zwei Wochen, danach Fallbesprechung im Team.
- Begründung: Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz; person-zentrierter Ansatz.
4. Vitale Funktionen: Atemnot bei Belastung und Ödeme
- Problem (PES): Frau Hoffmann ist körperlich wenig belastbar, bedingt durch die Herzinsuffizienz, erkennbar an Atemnot nach etwa 20 Metern und abendlichen Unterschenkelödemen.
- Ressourcen: setzt sich von selbst hin, wenn sie Atemnot bekommt; nimmt ihre Medikamente zuverlässig, wenn sie gereicht werden.
- Ziel: Die Herzinsuffizienz bleibt stabil: Das Gewicht steigt nicht um mehr als 2 kg in drei Tagen, die Atemnot nimmt nicht zu.
- Maßnahmen:
- Medikamente nach ärztlicher Anordnung richten und reichen, Einnahme kontrollieren
- Puls und Blutdruck nach Anordnung, Gewicht wöchentlich, bei Verdacht auf Zunahme häufiger
- Ruhepausen bei Wegen einplanen, Sitzgelegenheit auf dem Flur
- Beine tagsüber zeitweise hochlagern, Haut an den Unterschenkeln beobachten
- Warnzeichen (deutliche Gewichtszunahme, zunehmende Atemnot, Atemnot im Liegen) sofort an Pflegefachkraft und Ärztin melden
- Evaluation: wöchentlich Gewicht und Ödeme, bei jeder Auffälligkeit sofort.
5. Ausscheiden können: nächtlicher Harndrang und Inkontinenz
- Problem (PES): Frau Hoffmann verliert nachts gelegentlich Urin, bedingt durch langsames Aufstehen, Kniearthrose und Orientierungsprobleme im Dunkeln, erkennbar an nassen Vorlagen am Morgen.
- Ressourcen: spürt den Harndrang, möchte unbedingt die Toilette benutzen.
- Ziel: Frau Hoffmann erreicht nachts bis [Datum] mit Unterstützung rechtzeitig die Toilette; die Vorlage bleibt in mindestens fünf von sieben Nächten trocken.
- Maßnahmen:
- Miktionsprotokoll über drei Tage
- abends vor dem Schlafen Toilettengang anbieten, nachts bei Kontrollgängen erneut anbieten
- Nachtlicht im Bad, Weg zur Toilette frei
- Trinkmenge auf den Tag verteilen (siehe Problem 2), nicht abends reduzieren ohne Rücksprache
- Intimsphäre wahren, Haut im Intimbereich schützen
- Evaluation: nach einer Woche Protokoll und Vorlagenverbrauch auswerten.
6. Soziale Bereiche / Existenzielle Erfahrungen: Rückzug und Trauer
- Problem (PES): Frau Hoffmann zieht sich zurück und wirkt traurig, bedingt durch den Verlust ihres Mannes und ihrer Wohnung, erkennbar an der Aussage „Hier kenne ich ja niemanden“ und daran, dass sie Gemeinschaftsangebote ablehnt.
- Ressourcen: enge Beziehung zur Tochter (Besuch zweimal wöchentlich), war gesellig, freut sich über Gespräche über Handarbeiten.
- Ziel: Frau Hoffmann nimmt bis [Datum + 4 Wochen] mindestens zweimal pro Woche an einem Gruppenangebot teil und hat eine feste Kontaktperson unter den Mitbewohnerinnen.
- Maßnahmen:
- Zeit für Gespräche über ihren Mann und ihr Leben nehmen, Trauer zulassen
- Handarbeitsgruppe vorstellen und beim ersten Mal begleiten
- Kontakt zu einer Mitbewohnerin mit ähnlichen Interessen anbahnen
- Tochter einbeziehen, z. B. gemeinsamer Besuch im Café des Hauses
- Stimmung beobachten, bei Hinweisen auf eine Depression Pflegefachkraft und Ärztin informieren
- Evaluation: wöchentlich Teilnahme und Stimmung dokumentieren.
Prioritäten setzen
In der Prüfung sollst du oft begründen, welches Problem du zuerst angehst. Eine mögliche Reihenfolge für Frau Hoffmann:
- Flüssigkeitsdefizit und Herzinsuffizienz (Probleme 2 und 4): Sie können sich schnell verschlechtern und hängen zusammen. Die Trinkmenge muss mit der Ärztin abgestimmt sein.
- Sturzrisiko (Problem 1): Ein Sturz kann schwere Folgen haben, etwa einen Oberschenkelhalsbruch.
- Desorientierung und Unruhe (Problem 3): beeinflusst Sicherheit, Essen und Wohlbefinden.
- Inkontinenz (Problem 5) und Rückzug (Problem 6): wichtig für Würde und Lebensqualität, aber weniger akut.
Andere Reihenfolgen sind möglich, wenn du sie fachlich begründest, z. B. wenn Frau Hoffmann selbst ihre Einsamkeit als größtes Problem nennt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie ausführlich muss eine Pflegeplanung in der Prüfung sein?
So konkret, dass eine Kollegin die Maßnahmen ohne Rückfrage genauso durchführen könnte: wer, was, wann, wie oft, womit. Ziele müssen überprüfbar sein, und zu jedem Problem gehören Ressourcen. Wie viele Probleme verlangt sind, steht in der Aufgabe.
Muss ich in der Altenpflege nach ABEDL planen?
Nicht zwingend. ABEDL helfen, nichts zu vergessen. Viele Einrichtungen dokumentieren mit der SIS, viele Schulen mit Pflegediagnosen. Entscheidend ist, was deine Schule für Unterricht und Prüfung festlegt.
Quellen
- Krohwinkel M.: Fördernde Prozesspflege mit integrierten ABEDLs. Bern 2013
- Expertenstandards des DNQP: Sturzprophylaxe (2. Aktualisierung 2022), Ernährungsmanagement (1. Aktualisierung 2017), Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz (1. Aktualisierung 2026), Kontinenzförderung (Aktualisierung 2024) – siehe Expertenstandards
- Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz – leitlinien.de
- Der Fall ist frei erfunden; alle Formulierungen sind eigene.
- Stand: Oktober 2026