Eine Pflegeplanung zu schreiben, lernst du am schnellsten mit guten Beispielen. Auf dieser Seite findest du zehn ausformulierte Beispiele zu Pflegeproblemen, die in Praxis und Prüfung immer wieder vorkommen. Dazu gibt es Formulierungshilfen für Probleme, Ressourcen, Ziele und Maßnahmen. Die Grundlagen, also die sechs Schritte und ein ausführliches Fallbeispiel, erklärt die Seite Der Pflegeprozess.

Wichtig: Die Beispiele zeigen Aufbau und Formulierung. Eine echte Pflegeplanung ist immer individuell: Sie beruht auf der Informationssammlung bei genau diesem Menschen, auf seinen Ressourcen und Wünschen. Übernimm in Prüfung und Praxis keine Textbausteine ungeprüft, sondern passe sie an die Situation an.

Das Grundgerüst: PESR, SMART und die W-Fragen

TeilFrageFormulierung
ProblemWas ist eingeschränkt?„Frau M. kann sich nicht selbstständig …“
Einflussfaktor (Ätiologie)Warum?„… bedingt durch …“ / „… aufgrund von …“
SymptomWoran erkennst du es?„… erkennbar an …“ / „… zeigt sich durch …“
RessourceWas kann der Mensch selbst?„Ressource: kann …, ist motiviert …“
ZielWelcher Zustand soll erreicht werden?SMART: spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch, terminiert
MaßnahmenWas wird getan?Wer? Was? Wann? Wie oft? Wie? Womit?
EvaluationWann und woran prüfst du?Datum + messbares Kriterium

Es gibt aktuelle Probleme (bestehen jetzt), potenzielle Probleme bzw. Risiken (könnten entstehen, z. B. Dekubitusgefahr; hier entfällt das Symptom) und Gesundheits- oder Wohlbefindensthemen (der Mensch möchte etwas fördern). Viele Schulen arbeiten mit Pflegediagnosen nach NANDA-I oder ENP. Das Prinzip ist dasselbe.

10 Beispiele für eine Pflegeplanung

1. Eingeschränkte Mobilität nach Hüft-OP
  • Problem (PES): Frau S., 82, kann nur mit Unterstützung gehen, bedingt durch Wundschmerz und Unsicherheit nach Hüft-TEP rechts, erkennbar an Schonhaltung und der Aussage „Ich habe Angst hinzufallen“.
  • Ressourcen: motiviert, kräftige Arme, kennt den Rollator.
  • Ziel: Frau S. geht bis [Datum] mit Rollator und Begleitung zweimal täglich 20 m auf dem Flur.
  • Maßnahmen: Schmerzeinschätzung (NRS) vor der Mobilisation; Analgetikum nach Anordnung 30 Minuten vorher; Mobilisation zweimal täglich nach Vorgabe der Physiotherapie, Belastungsgrenzen beachten; loben und Fortschritt sichtbar machen.
  • Evaluation: täglich Gehstrecke und NRS bei Belastung dokumentieren.
2. Dekubitusrisiko bei Bettlägerigkeit
  • Problem (Risiko): Herr B., 76, hat ein erhöhtes Dekubitusrisiko, bedingt durch stark eingeschränkte Eigenbewegung nach Schlaganfall und Inkontinenz.
  • Ressourcen: kann den rechten Arm bewegen und sich mit dem Bettbügel etwas drehen; Haut derzeit intakt.
  • Ziel: Die Haut an Kreuzbein, Fersen und Hüften bleibt intakt.
  • Maßnahmen: Hautinspektion bei jeder Positionierung; individueller Bewegungsplan mit Mikro- und Makropositionierung; Fersen frei lagern; Eigenbewegung mit Bettbügel fördern; Weichlagerungsmatratze nach Verfahrensregel; Haut bei Inkontinenz schonend reinigen und schützen.
  • Evaluation: täglich Hautzustand (Fingertest), Bewegungsplan wöchentlich anpassen.

Begründung in der Prüfung: Expertenstandard Dekubitusprophylaxe.

3. Sturzrisiko
  • Problem (Risiko): Frau K., 88, hat ein erhöhtes Sturzrisiko, bedingt durch Gangunsicherheit, nächtlichen Harndrang und die Einnahme eines Schlafmittels.
  • Ressourcen: orientiert, nimmt Hilfe an, benutzt die Klingel.
  • Ziel: Frau K. stürzt nicht; sie klingelt nachts vor dem Aufstehen.
  • Maßnahmen: Bett in niedrigster Position, Nachtlicht, Klingel und Rollator in Reichweite; rutschfeste Schuhe am Bett; abends Toilettengang anbieten; Ärztin auf die Schlafmedikation ansprechen; Frau K. und Angehörige beraten.
  • Evaluation: täglich: Sturzereignis ja/nein; wöchentlich Sturzrisiko neu einschätzen.
4. Akute Schmerzen
  • Problem (PES): Herr T., 54, hat starke Schmerzen im Bauch, bedingt durch die Wunde nach Bauch-OP, erkennbar an NRS 7, flacher Atmung und Vermeidung von Bewegung.
  • Ressourcen: kann Schmerzen klar benennen und einschätzen, kooperativ.
  • Ziel: Herr T. gibt bis [Datum/Uhrzeit] in Ruhe einen Schmerz von höchstens NRS 3 und bei Bewegung höchstens NRS 4 an.
  • Maßnahmen: Schmerzeinschätzung (NRS) alle vier Stunden und 30 Minuten nach jeder Analgetikagabe; Analgetika nach Anordnung, Bedarfsmedikation anbieten; Abstützen der Wunde beim Husten und Aufstehen zeigen; schmerzarme Positionierung; Nebenwirkungen beobachten.
  • Evaluation: NRS-Verlauf dokumentieren; Arzt informieren, wenn das Ziel nicht erreicht wird.
5. Mangelernährung
  • Problem (PES): Frau L., 84, ist mangelernährt, bedingt durch Appetitlosigkeit und schlecht sitzende Zahnprothese, erkennbar an 4 kg Gewichtsverlust in drei Monaten und Essen von etwa der Hälfte der Portionen.
  • Ressourcen: isst gern süß, trinkt gern Milchkaffee, kann selbstständig essen.
  • Ziel: Frau L. hält ihr Gewicht bis [Datum] und isst mindestens drei Viertel der angebotenen Mahlzeiten.
  • Maßnahmen: Wunschkost und kleine Portionen, energiereiche Zwischenmahlzeiten; Mahlzeiten in Gesellschaft; Zahnarzt wegen Prothese einbeziehen; Ess- und Trinkprotokoll; Gewicht wöchentlich; Rücksprache mit Ärztin und Diätassistenz.
  • Evaluation: wöchentlich Gewicht und Protokoll auswerten.
6. Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme
  • Problem (PES): Herr G., 90, trinkt zu wenig, bedingt durch fehlendes Durstgefühl und Angst vor nächtlichem Harndrang, erkennbar an Trinkmenge von etwa 800 ml pro Tag, trockenen Schleimhäuten und dunklem Urin.
  • Ressourcen: trinkt gern Tee, kann das Glas selbst halten.
  • Ziel: Herr G. trinkt ab [Datum] täglich mindestens [ärztlich vereinbarte Menge, z. B. 1.500 ml], den Großteil bis 18 Uhr.
  • Maßnahmen: Getränke sichtbar und erreichbar bereitstellen; stündlich Getränk anbieten; Tee nach Vorliebe; Trinkplan mit Herrn G. vereinbaren, Schwerpunkt am Vormittag; Trinkprotokoll; auf Zeichen der Exsikkose achten.
  • Evaluation: täglich Trinkprotokoll; Schleimhäute, Urin und Befinden beobachten.
7. Harninkontinenz
  • Problem (PES): Frau D., 79, verliert Urin, bedingt durch eingeschränkte Gehfähigkeit, sodass sie die Toilette nicht rechtzeitig erreicht, erkennbar an nassen Vorlagen vor allem vormittags.
  • Ressourcen: spürt den Harndrang, möchte unbedingt die Toilette benutzen.
  • Ziel: Frau D. erreicht bis [Datum] tagsüber die Toilette rechtzeitig; die Vorlage bleibt tagsüber trocken.
  • Maßnahmen: Miktionsprotokoll über drei Tage; individuelle Toilettenzeiten daraus ableiten und anbieten; Weg zur Toilette frei und beleuchtet; leicht zu öffnende Kleidung; Toilettensitzerhöhung; Intimsphäre wahren.
  • Evaluation: nach einer Woche Protokoll und Vorlagenverbrauch auswerten.
8. Orientierungsstörung bei Demenz
  • Problem (PES): Herr F., 83, ist zeitlich und örtlich desorientiert, bedingt durch eine Alzheimer-Demenz, erkennbar daran, dass er nachmittags unruhig wird und „nach Hause zur Arbeit“ möchte.
  • Ressourcen: erinnert sich gut an seinen Beruf als Schreiner, hört gern Volksmusik, reagiert auf ruhige Ansprache.
  • Ziel: Herr F. wirkt nachmittags ruhiger und zufriedener (beobachtbar: weniger Unruhephasen, nimmt an einer Beschäftigung teil).
  • Maßnahmen: feste Tagesstruktur; am frühen Nachmittag biografieorientierte Beschäftigung anbieten (Holz schleifen, Werkzeugkiste sortieren); verstehende Kommunikation, Gefühle aufgreifen statt korrigieren (Validation); Orientierungshilfen wie Uhr, Kalender und gut lesbare Beschilderung.
  • Evaluation: Verhaltensbeobachtung über eine Woche, Fallbesprechung im Team.
9. Pneumonierisiko nach OP
  • Problem (Risiko): Herr P., 68, hat ein erhöhtes Pneumonierisiko, bedingt durch flache Schonatmung nach Oberbauch-OP und eingeschränkte Mobilität; ehemaliger Raucher.
  • Ressourcen: versteht die Bedeutung von Atemübungen, kann mit Hilfe sitzen.
  • Ziel: Herr P. führt ab heute stündlich tagsüber Atemübungen durch; Atemfrequenz und Temperatur bleiben im Normbereich, er hat keine Atemnot.
  • Maßnahmen: Atemtrainer stündlich zehn Atemzüge nach Anleitung; Oberkörperhochlage; Frühmobilisation nach Anordnung; ausreichende Schmerztherapie, damit tiefes Atmen möglich ist; Abhusten mit Wundunterstützung zeigen; Mundpflege.
  • Evaluation: Vitalzeichen und Atmung zweimal pro Schicht.
10. Selbstversorgungsdefizit bei der Körperpflege
  • Problem (PES): Frau R., 72, kann sich nicht selbstständig waschen, bedingt durch eine Halbseitenlähmung links nach Schlaganfall, erkennbar daran, dass sie Rücken, Beine und die rechte Körperseite nicht erreicht.
  • Ressourcen: kann mit der rechten Hand Gesicht, Oberkörper vorn und Intimbereich selbst waschen; sitzt stabil am Waschbecken.
  • Ziel: Frau R. wäscht bis [Datum] Gesicht, Oberkörper und Arme selbstständig am Waschbecken.
  • Maßnahmen: Körperpflege täglich morgens am Waschbecken im Sitzen; Utensilien auf der rechten Seite bereitlegen; nur die Bereiche übernehmen, die sie nicht erreicht; Anleitung nach dem Bobath-Konzept, wenn auf der Station etabliert; ausreichend Zeit einplanen.
  • Evaluation: wöchentlich: Welche Bereiche wäscht sie selbst?

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Formulierungshilfen

Probleme und Einflussfaktoren

  • „… kann sich nicht selbstständig …, bedingt durch …, erkennbar an …“
  • „… ist eingeschränkt in …, aufgrund von …“
  • „… hat ein erhöhtes Risiko für …, bedingt durch …“ (potenzielles Problem)
  • „… äußert …“ / „… gibt an, …“ (für Symptome, die der Mensch selbst schildert)

Ressourcen

  • „kann …“, „ist in der Lage, …“, „ist motiviert, …“, „äußert den Wunsch, …“
  • „hat Unterstützung durch …“ (Angehörige, Nachbarn)
  • „kennt …“, „hat Erfahrung mit …“

Ziele

  • Aus Sicht des Menschen: „Herr X geht …“, „Frau Y trinkt …“, „Herr Z gibt an, …“
  • Mit Messgröße und Termin: „… bis zum 15.11. mindestens 1.500 ml täglich“
  • Nicht: „Pflege sorgt für …“ oder „Herr X wird gewogen“ (das ist eine Maßnahme)

Maßnahmen

  • Konkrete Verben: anbieten, anleiten, unterstützen, übernehmen, beobachten, beraten, informieren, kontrollieren, dokumentieren
  • Immer mit Häufigkeit und Hilfsmittel: „zweimal täglich mit Rollator und einer Begleitperson“
  • Ärztliche Aufgaben kennzeichnen: „Analgetikum nach ärztlicher Anordnung“

Typische Fehler und wie du sie vermeidest

FehlerBesser
„Frau M. fühlt sich wohl.“ (nicht messbar)„Frau M. gibt bis Freitag an, nachts mindestens fünf Stunden durchzuschlafen.“
„Mobilisieren.“„Zweimal täglich mit Rollator und einer Pflegeperson 20 m auf dem Flur gehen, vorher Schmerz einschätzen.“
Ressourcen fehlenZu jedem Problem mindestens eine Ressource nennen und in den Maßnahmen nutzen
Ziel = Maßnahme („wird täglich gewogen“)Ziel beschreibt den Zustand („Gewicht bleibt stabil bei 62 kg ± 1 kg“)
Keine BegründungExpertenstandard, Leitlinie oder Pflegemodell nennen
Evaluation ohne TerminDatum und Kriterium festlegen

Pflegeplanung nach AEDL, ABEDL oder SIS?

Viele Lehrbücher und Einrichtungen ordnen die Pflegeplanung nach dem Modell von Monika Krohwinkel (AEDL bzw. ABEDL) oder arbeiten mit dem Strukturmodell und der SIS (Strukturierte Informationssammlung) mit sechs Themenfeldern. Im Strukturmodell ersetzt die SIS die ausführliche Problem-Ziel-Maßnahmen-Planung durch eine Risikoeinschätzung und einen Maßnahmenplan. In der Ausbildung und Prüfung wird trotzdem meist die klassische Planung mit Problem, Ziel und Maßnahmen verlangt. Welches Modell deine Schule nutzt, ist entscheidend. Mehr dazu unter Pflegemodelle.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Pflegeprobleme gehören in eine Pflegeplanung?

So viele, wie der Mensch tatsächlich hat. In Prüfungen wird oft eine bestimmte Zahl verlangt, z. B. „drei relevante Pflegeprobleme“. Dann wählst du die wichtigsten aus und begründest die Priorität (z. B. Lebensgefahr vor Risiko, akutes vor chronischem Problem).

Was ist der Unterschied zwischen PES und PESR?

PESR ergänzt das PES-Schema (Problem, Einflussfaktor, Symptom) um die Ressourcen. Manche Schulen schreiben die Ressourcen in eine eigene Spalte, andere hängen sie direkt an die Problembeschreibung an.

Muss ich Prophylaxen in die Pflegeplanung schreiben?

Ja, wenn ein Risiko besteht. Prophylaxen werden als potenzielles Problem formuliert (z. B. „Dekubitusrisiko, bedingt durch …“). Im Examen sind sie fast immer gefragt. Alle Prophylaxen im Überblick findest du unter Prophylaxen.

Quellen

  • Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe (PflAPrV) – Pflegeprozess als Schwerpunkt der Prüfung
  • Fiechter V., Meier M.: Pflegeplanung. Eine Anleitung für die Praxis. Basel 1981
  • Gordon M.: Pflegediagnosen – Theoretische Grundlagen. München 2001 (PES-Format)
  • Krohwinkel M.: Fördernde Prozesspflege mit integrierten ABEDLs. Bern 2013
  • Expertenstandards des DNQP, siehe Expertenstandards
  • Alle Beispiele sind frei erfunden und eigene Formulierungen.
  • Stand: Oktober 2026