Die AEDL und ABEDL nach Monika Krohwinkel gehören zu den bekanntesten Strukturen in der deutschen Pflege. Viele Pflegeschulen nutzen sie, um die Informationssammlung und die Pflegeplanung zu gliedern, besonders in der Altenpflege. Auf dieser Seite findest du alle 13 Bereiche mit Beobachtungspunkten und Beispielen für Pflegeprobleme und Ressourcen. Wie Krohwinkels Modell im Vergleich zu anderen Pflegemodellen einzuordnen ist, steht unter Pflegemodelle.
AEDL oder ABEDL – was ist der Unterschied?
- AEDL steht für Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens. So hat Krohwinkel die 13 Bereiche in den 1990er-Jahren formuliert.
- ABEDL steht für Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens. In der Weiterentwicklung ihres Modells (Fördernde Prozesspflege, 2007/2013) hebt Krohwinkel die Beziehungen des Menschen hervor, also seine sozialen Kontakte, Angehörigen und wichtigen Bezugspersonen.
Die Bereiche sind fast gleich geblieben, einige wurden umbenannt. In der Praxis werden beide Begriffe oft gleichbedeutend verwendet. Nutze den Begriff, den deine Schule verwendet.
Die 13 ABEDL im Überblick
| Nr. | ABEDL | Frühere AEDL-Bezeichnung |
|---|---|---|
| 1 | Kommunizieren können | Kommunizieren |
| 2 | Sich bewegen können | Sich bewegen |
| 3 | Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können | Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten |
| 4 | Sich pflegen können | Sich pflegen |
| 5 | Essen und trinken können | Essen und trinken |
| 6 | Ausscheiden können | Ausscheiden |
| 7 | Sich kleiden können | Sich kleiden |
| 8 | Ruhen, schlafen und sich entspannen können | Ruhen und schlafen |
| 9 | Sich beschäftigen, lernen und sich entwickeln können | Sich beschäftigen |
| 10 | Die eigene Sexualität leben können | Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten |
| 11 | Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können | Für eine sichere Umgebung sorgen |
| 12 | Soziale Bereiche des Lebens sichern und gestalten können | Soziale Bereiche des Lebens sichern |
| 13 | Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen und sich dabei entwickeln können | Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen |
Die Formulierung mit „können“ ist Absicht: Krohwinkel richtet den Blick auf Fähigkeiten und Ressourcen, nicht nur auf Defizite.
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Die 13 Bereiche mit Beispielen
Zu jedem Bereich findest du, was du beobachtest, und ein Beispiel für ein Pflegeproblem und eine Ressource. Die Beispiele sind eigene Formulierungen.
1. Kommunizieren können
- Beobachten: Sprache, Sprachverständnis, Hören, Sehen, Orientierung, Mimik und Gestik, Lesen und Schreiben, Muttersprache.
- Problem: Frau A. kann sich nach einem Schlaganfall nur schwer ausdrücken (Wortfindungsstörung), erkennbar an Abbrüchen mitten im Satz und Frustration.
- Ressource: versteht Gesagtes gut, kann mit Ja/Nein-Fragen und Gesten antworten.
2. Sich bewegen können
- Beobachten: Gang, Gleichgewicht, Kraft, Gelenkbeweglichkeit, Hilfsmittel, Transfer, Positionswechsel im Bett, Sturzereignisse.
- Problem: Herr B. kann nur mit Rollator und Begleitung gehen, bedingt durch Gangunsicherheit, erkennbar an kleinen unsicheren Schritten. Sturz- und Dekubitusrisiko.
- Ressource: möchte selbstständig zum Speisesaal gehen, kann sich am Haltegriff hochziehen.
3. Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können
- Beobachten: Atmung, Puls, Blutdruck, Temperatur, Bewusstsein, Schmerzen, Hautfarbe. Normwerte unter Vitalzeichen.
- Problem: Frau C. hat Atemnot bei Belastung, bedingt durch Herzinsuffizienz, erkennbar daran, dass sie nach zehn Metern stehen bleiben muss.
- Ressource: kennt ihre Erkrankung, wiegt sich selbst und meldet Veränderungen.
4. Sich pflegen können
- Beobachten: Selbstständigkeit bei Körperpflege, Mund- und Zahnpflege, Haut- und Haarpflege, Gewohnheiten und Vorlieben, Hautzustand.
- Problem: Herr D. kann Rücken und Beine nicht selbst waschen, bedingt durch eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter.
- Ressource: wäscht Gesicht, Oberkörper und Intimbereich selbst, legt Wert auf tägliche Rasur.
5. Essen und trinken können
- Beobachten: Appetit, Essmenge, Trinkmenge, Gewicht, Kauen und Schlucken, Zahnstatus, Vorlieben, Kostform, Diabetes.
- Problem: Frau E. trinkt zu wenig, bedingt durch fehlendes Durstgefühl, erkennbar an etwa 800 ml pro Tag und trockenen Schleimhäuten.
- Ressource: trinkt gern Früchtetee, kann das Glas selbst halten.
6. Ausscheiden können
- Beobachten: Kontinenz, Häufigkeit und Menge, Urin- und Stuhlbeschaffenheit, Verstopfung, Hilfsmittel, Intimsphäre.
- Problem: Herr F. erreicht die Toilette nachts nicht rechtzeitig, bedingt durch langsames Aufstehen, erkennbar an nassen Vorlagen am Morgen.
- Ressource: spürt den Harndrang, benutzt die Klingel.
7. Sich kleiden können
- Beobachten: Selbstständigkeit beim An- und Auskleiden, Feinmotorik, Auswahl passender Kleidung, Vorlieben, Kompressionsstrümpfe.
- Problem: Frau G. kann Knöpfe und Schuhe nicht selbst schließen, bedingt durch Arthrose der Finger.
- Ressource: wählt ihre Kleidung selbst aus und zieht Pullover allein an; Klettverschlüsse kann sie bedienen.
8. Ruhen, schlafen und sich entspannen können
- Beobachten: Schlafdauer und -qualität, Einschlafrituale, nächtliche Unruhe, Tagesmüdigkeit, Schlafmedikamente, Schmerzen.
- Problem: Herr H. schläft schlecht ein, bedingt durch die ungewohnte Umgebung im Heim, erkennbar daran, dass er bis Mitternacht wach liegt.
- Ressource: hört zu Hause abends gern Radio, hat sein eigenes Kissen mitgebracht.
9. Sich beschäftigen, lernen und sich entwickeln können
- Beobachten: Interessen, Hobbys, frühere Berufe, Tagesstruktur, Lernfähigkeit, Langeweile, Rückzug.
- Problem: Frau I. zieht sich zurück und wirkt gelangweilt, bedingt durch den Verlust ihrer früheren Aufgaben im Haushalt.
- Ressource: hat jahrzehntelang gekocht und gebacken, freut sich über Gespräche über Rezepte.
10. Die eigene Sexualität leben können
- Beobachten: Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit, Partnerschaft, Schamgefühl, Wunsch nach gleichgeschlechtlicher Pflegeperson, Körperbild.
- Problem: Frau J. empfindet die Intimpflege durch männliche Pflegende als sehr unangenehm, erkennbar an Abwehr und Anspannung.
- Ressource: äußert ihren Wunsch klar; mit weiblichen Pflegenden ist sie entspannt.
11. Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können
- Beobachten: Sturzrisiken, Orientierung im Raum, Umgang mit Medikamenten, Infektionsrisiken, Hilfsmittel, Gefahren erkennen.
- Problem: Herr K. findet sein Zimmer nicht wieder, bedingt durch eine beginnende Demenz, erkennbar daran, dass er mehrmals täglich auf dem Flur umherirrt.
- Ressource: erkennt Fotos seiner Familie, reagiert gut auf Farben und Symbole.
12. Soziale Bereiche des Lebens sichern und gestalten können
- Beobachten: Angehörige und Freunde, Besuche, Kontakte im Heim, Finanzen und Behördenangelegenheiten, rechtliche Betreuung, Rolle in der Familie.
- Problem: Frau L. hat seit dem Umzug ins Heim kaum Kontakt zu anderen, bedingt durch Schwerhörigkeit und Unsicherheit in Gruppen.
- Ressource: telefoniert gern mit ihrer Enkelin, nimmt gern an Einzelangeboten teil.
13. Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können
- Beobachten: Ängste, Trauer, Verlust, Sorgen, Hoffnung, Freude, Glaube und Rituale, Lebensbilanz, Umgang mit Krankheit und Sterben.
- Problem: Herr M. äußert Angst vor dem Sterben, bedingt durch die Verschlechterung seiner Erkrankung, erkennbar an Schlaflosigkeit und häufigen Fragen nach seiner Prognose.
- Ressource: ist gläubig und wünscht sich Besuch vom Seelsorger, hat ein enges Verhältnis zu seiner Tochter.
So nutzt du die ABEDL in der Pflegeplanung
- Informationssammlung gliedern: Geh im Gespräch und bei der Beobachtung alle 13 Bereiche durch. So vergisst du nichts.
- Probleme und Ressourcen zuordnen: Jedes Pflegeproblem gehört zu einem Bereich. Oft betrifft ein Problem mehrere Bereiche, z. B. Immobilität (Bewegen, Ausscheiden, Sicherheit). Ordne es dem Hauptbereich zu und verweise auf die anderen.
- Ressourcen ernst nehmen: Krohwinkels Modell ist ein Fördermodell. Zu jedem Problem gehört die Frage, was der Mensch selbst kann und will.
- Existenzielle Erfahrungen nicht vergessen: Bereich 13 wird in Prüfungen oft übersehen, obwohl er für die Lebensqualität entscheidend ist.
Wie aus Problemen Ziele und Maßnahmen werden, zeigen Pflegeplanung: 10 Beispiele und die vollständige Pflegeplanung in der Altenpflege am Beispiel.
ABEDL, ATL und SIS im Vergleich
| Struktur | Herkunft | Bereiche | Wo du ihr begegnest |
|---|---|---|---|
| ATL | Liliane Juchli, angelehnt an Roper, Logan und Tierney | 12 Aktivitäten des täglichen Lebens | ältere Lehrbücher, Krankenhaus |
| AEDL / ABEDL | Monika Krohwinkel | 13 Bereiche inklusive existenzieller Erfahrungen | Ausbildung, Altenpflege |
| SIS | Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation | 6 Themenfelder plus Risikomatrix | Pflegedokumentation in der Langzeit- und ambulanten Pflege |
In vielen Pflegeheimen wird heute mit dem Strukturmodell und der SIS dokumentiert. In der Ausbildung bleiben die ABEDL trotzdem wichtig, weil sie den Blick auf den ganzen Menschen schulen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele AEDL gibt es?
Es gibt 13 AEDL bzw. ABEDL. Die ATL nach Juchli umfassen dagegen 12 Bereiche.
Wird nach ABEDL in der Prüfung noch geplant?
Das hängt von deiner Pflegeschule ab. Viele Schulen lassen die Informationssammlung nach ABEDL gliedern oder akzeptieren sie, andere arbeiten mit Pflegediagnosen oder frei formulierten Problemen. Frag nach, welche Struktur in der Prüfung erwartet wird.
Was sind existenzielle Erfahrungen?
Erfahrungen, die das Leben eines Menschen grundlegend berühren: belastende wie Angst, Schmerz, Verlust oder Trennung, fördernde wie Freude, Hoffnung oder Zuversicht sowie Erfahrungen, die mit Herkunft, Kultur und Glauben verbunden sind. Krohwinkel hat sie bewusst in ihr Modell aufgenommen, weil sie die Pflege genauso prägen wie die Alltagsaktivitäten.
Quellen
- Krohwinkel M.: Der Pflegeprozeß am Beispiel von Apoplexiekranken. Baden-Baden 1993
- Krohwinkel M.: Fördernde Prozesspflege mit integrierten ABEDLs. Bern 2013
- Juchli L.: Pflege. Praxis und Theorie der Gesundheits- und Krankenpflege. Stuttgart (ATL)
- Bundesministerium für Gesundheit / Projektbüro Ein-STEP: Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation (SIS)
- Alle Beispiele sind frei erfunden und eigene Formulierungen.
- Stand: Oktober 2026