Bei jedem Schichtwechsel gibst du Informationen an die nächste Schicht weiter. Und manchmal musst du eine Ärztin oder einen Arzt anrufen, weil es einem Menschen schlechter geht. In beiden Fällen gilt: Kurz, klar und vollständig. Damit das klappt, nutzen viele Einrichtungen das SBAR-Schema. Auf dieser Seite lernst du, wie es funktioniert, mit Beispielen und einer Checkliste.

Gut zu wissen: Jede Station hat ihren eigenen Ablauf für die Übergabe, zum Beispiel am Bett, im Dienstzimmer oder mit Übergabebogen. Frag deine Praxisanleitung, wie es bei euch läuft. SBAR passt in jeden Ablauf.

Warum ist die Übergabe so wichtig?

Bei der Übergabe wechselt die Verantwortung von einer Pflegekraft zur nächsten. Wenn dabei etwas verloren geht, zum Beispiel ein neuer Schmerz, ein Sturzrisiko oder eine geänderte Medikation, kann das für den Menschen gefährlich werden. Fehler bei der Kommunikation gehören zu den häufigsten Ursachen für Zwischenfälle im Gesundheitswesen. Eine feste Struktur hilft, nichts zu vergessen.

Das SBAR-Schema

SBAR kommt aus dem Englischen. Die vier Buchstaben stehen für vier Schritte:

BuchstabeBedeutungWas du sagst
S – SituationWas ist jetzt los?Name, Zimmer, das aktuelle Problem in einem Satz
B – Background (Hintergrund)Was ist wichtig zu wissen?Diagnose, Aufnahmegrund, wichtige Vorerkrankungen, bisherige Behandlung
A – Assessment (Einschätzung)Was hast du beobachtet und wie schätzt du es ein?Vitalzeichen, Beobachtungen, deine Einschätzung
R – Recommendation (Empfehlung)Was soll passieren?Was du brauchst oder vorschlägst, was die nächste Schicht beachten soll

Auf Deutsch heißt es manchmal auch SAER oder ISBAR. Beim ISBAR steht das I für Identifikation: Du sagst zuerst, wer du bist und um wen es geht.

Beispiel 1: Anruf bei der Ärztin

Das ist die Situation, in der SBAR am meisten hilft. Ärztinnen und Ärzte haben wenig Zeit und brauchen die wichtigsten Infos sofort.

I: „Hallo, hier ist Lena Schmidt, Pflegeschülerin auf Station 4. Ich rufe an wegen Herrn K. in Zimmer 12.“

S: „Herr K. hat seit einer Stunde Atemnot und eine Sauerstoffsättigung von 89 %.“

B: „Er ist 76 Jahre alt, seit drei Tagen bei uns mit einer Lungenentzündung und bekommt ein Antibiotikum. Er hat eine bekannte Herzschwäche.“

A: „Atemfrequenz 26 pro Minute, Puls 110, Blutdruck 150/90, Temperatur 38,6 °C. Er wirkt ängstlich. Ich habe den Oberkörper hoch gelagert. Ich mache mir Sorgen, dass es ihm schlechter geht.“

R: „Können Sie bitte kommen und ihn anschauen? Soll ich bis dahin etwas vorbereiten?“

Wichtig: Schreib danach auf, wann du wen angerufen hast und was besprochen wurde. Wie das geht, zeigt die Seite Pflegebericht schreiben. Die Normwerte findest du unter Vitalzeichen und Normwerte.

Beispiel 2: Schichtübergabe im Krankenhaus

S: „Frau M., Zimmer 7, ist heute am zweiten Tag nach ihrer Hüft-OP.“

B: „82 Jahre, Hüft-TEP rechts. Diabetes Typ 2, sie spritzt sich Insulin selbst. Lebt allein, die Tochter kümmert sich.“

A: „Heute zweimal mit Rollator auf dem Flur gegangen, ca. 15 Meter. Schmerz in Ruhe NRS 2, beim Gehen NRS 5. Hat mittags nur die Hälfte gegessen, Blutzucker um 12 Uhr 180 mg/dl. Die Wunde ist trocken.“

R: „Bitte vor dem Abendessen Blutzucker messen und vor der nächsten Mobilisation an das Schmerzmittel denken. Die Tochter kommt um 17 Uhr und hat Fragen zur Entlassung.“

Beispiel 3: Übergabe in der Altenpflege

S: „Herr B. aus Zimmer 21 war heute Nachmittag sehr unruhig.“

B: „89 Jahre, mittelschwere Demenz, seit zwei Jahren bei uns. Sturzrisiko, er läuft gern über den Flur.“

A: „Ab 15 Uhr hat er seine Frau gesucht und wollte nach Hause. Beim Wäschefalten wurde er ruhiger. Getrunken hat er bis jetzt nur 800 ml, Stuhlgang zuletzt vorgestern.“

R: „Bitte weiter Getränke anbieten und auf das Trinkprotokoll achten. Wenn er abends wieder unruhig wird, hilft Wäschefalten oder Musik.“

Checkliste: Das gehört in jede Übergabe

  • Name, Zimmer, Alter, Grund für den Aufenthalt
  • Was ist neu oder anders als gestern?
  • Auffällige Vitalzeichen, Schmerzen, Bewusstsein
  • Essen, Trinken, Ausscheidung, wenn auffällig
  • Mobilität und Risiken (Sturz, Dekubitus, Weglaufen)
  • Wunden, Zugänge, Katheter, Drainagen
  • Geplante Untersuchungen, Termine, Entlassung
  • Was die nächste Schicht tun oder beachten muss
  • Offene Fragen von Angehörigen

Tipps für Azubis

  1. Bereite dich vor. Schreib dir vor der Übergabe Stichpunkte auf, am besten schon nach SBAR sortiert.
  2. Fang mit dem Wichtigsten an. Wer akut Hilfe braucht, kommt zuerst.
  3. Kein „alles wie immer“. Sag lieber konkret, was gut lief, zum Beispiel: „hat heute zum ersten Mal allein gegessen“.
  4. Frag nach, wenn du bei einer Übergabe etwas nicht verstehst. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung.
  5. Wertungen vermeiden. „Ist schwierig“ hilft niemandem. Beschreibe, was du beobachtet hast.
  6. Datenschutz beachten. Übergaben am Bett oder auf dem Flur leise führen, wenn andere zuhören können.

Übergabe in der Prüfung

In der praktischen Prüfung gehört oft eine Übergabe dazu. In den Klausuren und der mündlichen Prüfung taucht SBAR häufig als Frage auf, zum Beispiel: „Wie informieren Sie die Ärztin?“ Ein vollständiges Fallbeispiel mit SBAR findest du bei unseren Prüfungsfragen mit Antworten.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wofür steht SBAR?

SBAR steht für Situation, Background (Hintergrund), Assessment (Einschätzung) und Recommendation (Empfehlung). Es ist eine feste Reihenfolge, um wichtige Informationen kurz und vollständig weiterzugeben.

Was ist der Unterschied zwischen SBAR und ISBAR?

ISBAR hat am Anfang noch ein I für Identifikation: Du nennst deinen Namen, deine Station und den Menschen, um den es geht. Das ist besonders beim Telefonieren wichtig.

Wie lange dauert eine Übergabe?

Das hängt von der Station ab. Pro Mensch reichen oft ein bis zwei Minuten, wenn du gut vorbereitet bist und dich auf das Wichtige konzentrierst.

Darf ich als Azubi die Übergabe machen?

Ja, unter Anleitung. Im Laufe der Ausbildung übernimmst du immer mehr Übergaben selbst. Die Verantwortung liegt bei der Pflegefachkraft, die dich anleitet.

Was ist eine Übergabe am Bett?

Bei der Übergabe am Bett findet die Übergabe im Zimmer statt, gemeinsam mit dem Menschen, um den es geht. So kann er selbst etwas ergänzen. Persönliche Themen werden dann aber im Dienstzimmer besprochen.

Quellen