Im Pflegeexamen stehen keine Krankheiten im Mittelpunkt, sondern Menschen mit Krankheiten. In jeder Fallsituation musst du aber wissen, welche Beschwerden typisch sind, worauf du achten musst und welche Komplikationen drohen. Hier findest du die 16 Krankheitsbilder, die in Klausuren und praktischen Prüfungen besonders häufig vorkommen. Klick auf ein Krankheitsbild, um die Details zu sehen.

So nutzt du die Übersicht: Lerne zu jedem Krankheitsbild drei Dinge: Leitsymptome, pflegerische Schwerpunkte und Notfallzeichen. In der Klausur leitest du daraus Pflegediagnosen, Ziele und Maßnahmen ab. Wie das geht, zeigen Pflegediagnosen und Pflegeplanung mit Beispielen. Ärztliche Therapie und Medikamente nennen wir nur, soweit sie für die Pflege wichtig sind.

Herz und Kreislauf

Herzinsuffizienz

Das Herz kann nicht mehr genug Blut pumpen, um den Körper ausreichend zu versorgen.

  • Leitsymptome: Linksherz: Atemnot bei Belastung, später in Ruhe, Orthopnoe, nächtlicher Husten. Rechtsherz: Beinödeme, gestaute Halsvenen, Gewichtszunahme, nächtliches Wasserlassen.
  • Pflegeschwerpunkte: tägliches Wiegen (morgens, nüchtern, gleiche Waage), Ein- und Ausfuhr, Trinkmenge nach ärztlicher Vorgabe, Oberkörperhochlage, Belastung dosieren, Ödeme und Haut beobachten, Beratung zu Warnzeichen und Medikamenten.
  • Merke: Gewichtszunahme von mehr als etwa 1 kg an einem Tag oder 2 kg in drei Tagen kann auf Wassereinlagerung hinweisen und gehört an den Arzt.
Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Ein Herzkranzgefäß ist verschlossen, Herzmuskelgewebe stirbt ab.

  • Leitsymptome: anhaltender, starker Brustschmerz oder Druck, oft mit Ausstrahlung in Arm, Hals, Kiefer oder Oberbauch, Atemnot, Kaltschweißigkeit, Übelkeit, Todesangst. Bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern oft untypisch.
  • Pflegeschwerpunkte (akut): Notruf, Oberkörper hoch lagern, beruhigen, Vitalzeichen überwachen, enge Kleidung öffnen, Defibrillator bereithalten, nicht allein lassen. Danach: schrittweise Mobilisation nach Anordnung, Beratung zu Risikofaktoren.
  • Merke: Bei Brustschmerz mit Verdacht auf Herzinfarkt zählt jede Minute. Lieber einmal zu oft den Notruf wählen.
Arterielle Hypertonie

Dauerhaft erhöhter Blutdruck ab 140/90 mmHg.

  • Leitsymptome: oft lange keine Beschwerden; manchmal Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten.
  • Pflegeschwerpunkte: korrekte Blutdruckmessung, Blutdrucktagebuch, Beratung zu Lebensstil (Salz, Bewegung, Gewicht, Rauchen) und regelmäßiger Medikamenteneinnahme, auf Schwindel und Sturzgefahr bei Blutdrucksenkern achten.
  • Merke: Sehr hohe Werte mit Symptomen wie Brustschmerz, Atemnot, Sehstörungen oder Lähmungen sind ein Notfall.
Tiefe Beinvenenthrombose und Lungenembolie

Ein Blutgerinnsel verschließt eine tiefe Vene (meist im Bein). Löst es sich, kann es in die Lunge gelangen.

  • Leitsymptome: Thrombose: einseitige Schwellung, Schmerz, Spannungsgefühl, Überwärmung, bläuliche Verfärbung. Lungenembolie: plötzliche Atemnot, Brustschmerz, schneller Puls, Angst.
  • Pflegeschwerpunkte: Thromboseprophylaxe, bei Verdacht Bein nicht massieren, Arzt informieren, Bettruhe oder Mobilisation nur nach ärztlicher Anordnung, Antikoagulation nach Anordnung und Blutungszeichen beobachten.
  • Merke: Plötzliche Atemnot bei bettlägerigen oder frisch operierten Menschen: an Lungenembolie denken, Notfall.

Nervensystem und Psyche

Schlaganfall (Apoplex)

Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn.

  • Leitsymptome: plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, hängender Mundwinkel, Sprach- und Sehstörungen, Schwindel, starke Kopfschmerzen.
  • Pflegeschwerpunkte (akut): FAST-Test, Notruf, Zeitpunkt des Symptombeginns notieren, nichts essen oder trinken lassen (Schluckstörung). Danach: Schluckfähigkeit prüfen lassen, Aspirations-, Sturz-, Dekubitus- und Kontrakturenprophylaxe, Förderung der Selbstständigkeit (z. B. nach Bobath), Kommunikation bei Aphasie, Angehörige einbeziehen.
  • Merke: Time is brain. Je schneller die Behandlung beginnt, desto mehr Gehirngewebe kann gerettet werden.
Demenz

Fortschreitender Verlust von Gedächtnis und anderen geistigen Fähigkeiten, häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz.

  • Leitsymptome: Vergesslichkeit (anfangs vor allem Kurzzeitgedächtnis), Orientierungsstörungen, Wortfindungsstörungen, Veränderungen von Verhalten und Persönlichkeit, später Hilfebedarf in allen Lebensbereichen.
  • Pflegeschwerpunkte: person-zentrierte Haltung, Biografiearbeit, feste Tagesstruktur, verstehende Kommunikation (Validation), Orientierungshilfen, Sturz- und Ernährungsrisiken beobachten, Schmerzen mit Fremdeinschätzung erfassen, Angehörige entlasten.
  • Merke: Herausforderndes Verhalten ist oft Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses, z. B. Schmerz, Angst, Hunger oder Langeweile.
Delir

Akute Verwirrtheit mit plötzlichem Beginn, häufig bei älteren Menschen im Krankenhaus.

  • Leitsymptome: plötzlich auftretende Desorientierung, gestörte Aufmerksamkeit, schwankender Verlauf über den Tag, Unruhe oder auffällige Schläfrigkeit, Wahrnehmungsstörungen.
  • Pflegeschwerpunkte: Ursachen erkennen (Infekt, Flüssigkeitsmangel, Schmerz, Medikamente, Harnverhalt), Arzt informieren, Orientierung geben (Uhr, Brille, Hörgerät), Tag-Nacht-Rhythmus, vertraute Personen einbeziehen, Sturzgefahr absichern, Fixierungen vermeiden.
  • Merke: Ein Delir ist ein medizinischer Notfall und oft behandelbar. Demenz entwickelt sich langsam, ein Delir innerhalb von Stunden bis Tagen.
Morbus Parkinson

Fortschreitende Erkrankung, bei der Nervenzellen absterben, die den Botenstoff Dopamin bilden.

  • Leitsymptome: verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifigkeit, Ruhezittern, gebeugte Haltung, kleinschrittiger Gang, leise Sprache, maskenhaftes Gesicht.
  • Pflegeschwerpunkte: Medikamente pünktlich nach Plan geben (die Wirkung hängt stark von der Zeit ab), Sturzprophylaxe, Hilfen gegen „Einfrieren“ beim Gehen (Rhythmus, Markierungen auf dem Boden), Schluckstörungen beachten, Zeit lassen, Selbstständigkeit fördern.
  • Merke: Parkinson-Medikamente nicht eigenmächtig weglassen oder verschieben, auch nicht vor einer Operation ohne ärztliche Anordnung.
Depression

Psychische Erkrankung mit anhaltend gedrückter Stimmung und Antriebslosigkeit.

  • Leitsymptome: Niedergeschlagenheit, Interessen- und Freudlosigkeit, Antriebsmangel, Schlafstörungen, Appetitverlust, Grübeln, Schuldgefühle, im Alter oft körperliche Beschwerden im Vordergrund.
  • Pflegeschwerpunkte: Beziehung aufbauen, zuhören, Tagesstruktur mit kleinen erreichbaren Zielen, Aktivierung ohne Überforderung, Ernährung und Schlaf beobachten, Medikamente nach Anordnung und Wirkung beobachten.
  • Merke: Hinweise auf Suizidgedanken immer ernst nehmen, direkt ansprechen und sofort im Team und an den Arzt weitergeben.

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Atmung

COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)

Dauerhafte Verengung der Atemwege, meist durch Rauchen.

  • Leitsymptome: Husten mit Auswurf, Atemnot zunächst bei Belastung, später in Ruhe, Infektanfälligkeit; bei Verschlechterung mehr Atemnot und verändertes Sputum.
  • Pflegeschwerpunkte: atemerleichternde Positionen (Kutschersitz, Torwartstellung), Lippenbremse anleiten, Inhalation nach Anordnung und korrekte Technik schulen, Sauerstoff nur nach Anordnung mit Zielbereich, Sekretmobilisation, Rauchstopp unterstützen, Belastung dosieren.
  • Merke: Bei COPD mit CO₂-Retention liegt der SpO₂-Zielbereich meist bei 88–92 %. Zu viel Sauerstoff kann schaden.
Pneumonie (Lungenentzündung)

Entzündung des Lungengewebes, meist durch Bakterien oder Viren.

  • Leitsymptome: Fieber, Husten mit Auswurf, Atemnot, schnelle Atmung, Brustschmerz beim Atmen; bei älteren Menschen oft nur Verwirrtheit, Schwäche oder Appetitlosigkeit.
  • Pflegeschwerpunkte: Vitalzeichen und SpO₂ überwachen, Oberkörperhochlage, Atemübungen und Sekretmobilisation, ausreichend Flüssigkeit, Antibiotika nach Anordnung, Fieber senken nach Anordnung, Mundpflege.
  • Merke: Die beste Behandlung ist Vorbeugung: Pneumonieprophylaxe bei allen Risikopatienten.

Stoffwechsel, Niere und Infektionen

Diabetes mellitus

Chronisch erhöhter Blutzucker durch Insulinmangel (Typ 1) oder verminderte Insulinwirkung (Typ 2).

  • Leitsymptome: Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Gewichtsverlust (vor allem Typ 1), Wundheilungsstörungen; Typ 2 bleibt oft lange unbemerkt.
  • Pflegeschwerpunkte: Blutzuckermessung, Insulin nach Anordnung und Spritzschema, Beratung zu Ernährung und Bewegung, Füße täglich inspizieren (diabetisches Fußsyndrom), Schulung zum Selbstmanagement, Hypo- und Hyperglykämie erkennen.
  • Merke: Hypoglykämie (unter 70 mg/dl) ist der häufigste akute Notfall: Zittern, Schwitzen, Verwirrtheit. Bei Bewusstsein schnell Zucker geben, bei Bewusstlosigkeit nichts in den Mund und Notruf.
Chronische Niereninsuffizienz

Die Nieren verlieren dauerhaft an Funktion, häufig durch Diabetes oder Bluthochdruck.

  • Leitsymptome: lange symptomarm; später Ödeme, Müdigkeit, Juckreiz, Übelkeit, Bluthochdruck, verminderte Urinmenge.
  • Pflegeschwerpunkte: Ein- und Ausfuhr, Trinkmenge und Ernährung nach ärztlicher Vorgabe (z. B. Kalium, Eiweiß), Gewicht, Haut beobachten, bei Dialyse den Shunt-Arm schützen.
  • Merke: Am Shunt-Arm keinen Blutdruck messen, keine Blutentnahme und keine Infusion.
Harnwegsinfekt

Bakterielle Infektion der Harnwege, häufig bei Frauen und bei liegendem Blasenkatheter.

  • Leitsymptome: Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, trüber, übel riechender Urin; bei älteren Menschen oft nur Verwirrtheit oder Inkontinenz. Fieber und Flankenschmerz deuten auf eine Nierenbeckenentzündung hin.
  • Pflegeschwerpunkte: ausreichend trinken (wenn erlaubt), Intimhygiene von vorn nach hinten, hygienischer Umgang mit Kathetern, Urinprobe nach Anordnung, Antibiotika nach Anordnung.
  • Merke: Jeder Blasenkatheter ist ein Infektionsrisiko. Die Indikation sollte regelmäßig überprüft werden.
Sepsis

Lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion, die Organe schädigt.

  • Leitsymptome: Fieber oder Untertemperatur, schneller Puls, schnelle Atmung, niedriger Blutdruck, Verwirrtheit, wenig Urin, marmorierte Haut, schweres Krankheitsgefühl.
  • Pflegeschwerpunkte: Warnzeichen früh erkennen (z. B. Frühwarnscore wie NEWS2), sofort Arzt informieren, Vitalzeichen engmaschig, Ein- und Ausfuhr, ärztliche Maßnahmen vorbereiten.
  • Merke: Bei Verdacht auf Sepsis zählt jede Stunde. Verwirrtheit, schnelle Atmung und niedriger Blutdruck bei Infekt sind ein Alarmsignal.

Bewegungsapparat und Palliative Care

Oberschenkelhalsbruch und Hüft-TEP

Typische Verletzung älterer Menschen nach einem Sturz, häufig versorgt mit einer Hüftprothese (Hüft-TEP).

  • Leitsymptome: Schmerzen in Hüfte oder Leiste, Bein verkürzt und nach außen gedreht, nicht belastbar.
  • Pflegeschwerpunkte: Schmerzmanagement, Frühmobilisation nach Vorgabe von Arzt und Physiotherapie (Belastung, Bewegungseinschränkungen je nach OP-Verfahren), Thrombose-, Dekubitus-, Pneumonie- und Sturzprophylaxe, Wunde beobachten, Delir vorbeugen, Entlassung früh planen.
  • Merke: Nach dem Sturz ist vor dem Sturz. Sturzursachen klären und eine Sturzprophylaxe planen.
Tumorerkrankungen und Palliativpflege

Bösartige Erkrankungen, die je nach Art und Stadium heilbar oder nicht mehr heilbar sind. In der Palliativpflege steht die Lebensqualität im Mittelpunkt.

  • Häufige Beschwerden: Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erschöpfung (Fatigue), Appetitlosigkeit, Angst; unter Chemotherapie zusätzlich Infektanfälligkeit und Schleimhautentzündungen.
  • Pflegeschwerpunkte: Schmerzmanagement nach Plan und bei Bedarf, Symptomkontrolle, Mundpflege, Hautpflege, Gespräche und psychosoziale Begleitung, Angehörige einbeziehen, Wünsche und Patientenverfügung beachten, Sterbebegleitung.
  • Merke: Nicht mehr heilbar heißt nicht „nichts mehr tun“. Palliativpflege ist aktive, umfassende Pflege.

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Quellen

  • Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL) Chronische Herzinsuffizienz, COPD, Typ-2-Diabetes und Chronische KHK – leitlinien.de
  • AWMF S3-Leitlinien u. a. zu Schlaganfall (Akuttherapie), Demenzen, Sepsis, Prophylaxe der venösen Thromboembolie und Sauerstoff in der Akuttherapie – register.awmf.org
  • Mancia G. et al.: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension
  • Expertenstandards des DNQP, siehe Expertenstandards
  • Alle Texte sind eigene Zusammenfassungen und ersetzen nicht die ärztliche Diagnostik und Therapie.
  • Stand: Oktober 2026